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Chinesische Medizin: Heilpraktiker u. Ärzte – Hintergrundinformationen

Ärzte, Heilpraktiker und die Chinesische Medizin in Deutschland

Autor: Werner Freystätter – Heilpraktiker Akupunktur

Two Rivers Acupuncture
c/o Praxis Ishikawa
Schärfengäßchen 4-6
60311 Frankfurt am Main
Tel 01573 7982 037
Kontakt: praxis@freystaetter.com

Letzte Aktualisierung: 30.6.2021

Einführung

Leitfaden für Patienten: Arzt oder Heilpraktiker?

Immer mehr Menschen suchen nach sanften, natürlichen Behandlungsformen. Ein Grund ist, dass das Bewusstsein der Menschen sich verändert, aber auch, dass Viele in der Schulmedizin keine Hilfe bekommen. Anderen sagt der symptombasierte Ansatz der Schulmedizin nicht zu. Sie wollen lieber möglichst naturnah gesund werden. Dieser Trend zur sanften Therapie ist schon länger zu beobachten, und die Angebote gehen weit über die klassische Homöopathie und Bachblüten hinaus. Die Zahl der Anbieter und Therapeuten, die sich mit Naturheilkunde, Alternativmedizin, Homöopathie, Energie- und Frequenzmedizin, energetischem Heilen, etc. beschäftigen ist rasant gestiegen. Da ist auch viel Raum für Wildwuchs. Deshalb gibt es in Deutschland ein paar Regeln bezüglich Behandlung und vor allem Diagnose. Schließlich geht es um das Wohl des Menschen, also um das höchste Gut.

Wer darf in Deutschland Krankheiten diagnostizieren und behandeln?

Der normale Weg bei Unwohlsein oder einer Erkrankung ist der Gang zum Arzt. Das kann bei allgemeinen Beschwerden, wie Erkältung, Müdigkeit oder undefinierbaren Symptomen der Hausarzt bzw. Allgemeinmediziner sein. Bei komplexeren Fällen oder wenn der Hausarzt nichts findet, wird der Patient zum Facharzt überwiesen, z.B. zum Dermatologen, Gynäkologen, HNO-Arzt, Internisten, Kardiologen, Orthopäden oder Radiologen. Wenn die Symptome sich nicht verbessern oder gar verschlimmern, fängt oft der Spießrutenlauf von einem Facharzt zum nächsten an. Das ist in der Regel der Zeitpunkt, wenn Menschen alle krankenkassengeförderten Möglichkeiten ausgeschöpft haben und sich auf die Suche nach alternativen, meist nicht oder wenig geförderten Heilmethoden machen.

Manche Allgemein- oder Fachärzte haben sich auf Naturheilkunde spezialisiert und kombinieren die klassische Schulmedizin mit alternativmedizinischen Behandlungen. Ein Alleinstellungsmerkmal aus rechtlicher Sicht: Ärzte dürfen nicht nur Behandlungen durchführen, sondern auch Diagnosen stellen. Das ist bei den meisten anderen Therapeuten nicht der Fall, außer beim Heilpraktiker.

Der Heilpraktiker … ist zunächst nur eine Berufsbezeichnung

Der Begriff Heilpraktiker wurde 1928 allgemein eingeführt und definiert in Deutschland eine Person, die die Heilkunde berufs- oder gewerbsmäßig ausübt, ohne als Arzt oder Psychologischer Psychotherapeut approbiert zu sein. Das 1939 verfasste Gesetz über die berufsmäßige Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung, kurz „Heilpraktikergesetz“, regelt die Voraussetzungen zur Führung der Berufsbezeichnung „Heilpraktiker“. Die Ausübung der Heilkunde als Heilpraktiker bedarf in Deutschland der staatlichen Erlaubnis. Der Heilpraktiker übt seinen Beruf eigenverantwortlich aus und zählt, ebenso wie Ärzte zu den freien Berufen im Sinne von § 18 Einkommensteuergesetz.

Das Behandlungsspektrum ist gegenüber Ärzten durch den sogenannten Arztvorbehalt stark eingeschränkt. So dürfen Heilpraktiker eine Vielzahl von Infektionskrankheiten nicht behandeln, keine verschreibungspflichtigen Arznei- und Betäubungsmittel verordnen, keine Geburtshilfe leisten und auch keine Zahnheilkunde ausüben.

In Deutschland praktizieren rund 47.000 Heilpraktiker. Das Gesundheitssystem der gesetzlichen Krankenkassen wird durch Heilpraktiker deutlich entlastet, denn die Patienten zahlen die Behandlungskosten und Medikamente zumeist selbst.1

Manche (private) Krankenkassen bieten Zusatzversicherungen für Heilpraktikerleistungen an. Hier muss genau erfragt werden, welche Leistungen gefördert werden. Ein Beispiel ist die Securvita Krankenkasse mit ihrer Privatversicherung. 2

Heilpraktiker: Eine gesetzlich geregelte Berufsbezeichnung – ohne weitere Vorgaben zum Ausbildungsweg

Es gibt in Deutschland Hunderte Heilpraktiker-Schulen, von kleinen ortsansässigen bis zu großen Fernakademien. Da es keine akademische oder gesetzliche Regelausbildung für den Heilpraktiker-Beruf gibt, kann jede Schule ihren eigenen Lehrplan erstellen: von Präsenzunterricht im Vollzeitstudium, als berufsbegleitende Variante oder als komplettes Fernstudium.

Um Heilpraktiker zu werden bzw. als Heilpraktiker arbeiten zu dürfen, muss jeder Heilpraktiker eine Erlaubnis erhalten, die nach schriftlicher und mündlicher Prüfung durch das regionale Gesundheitsamt ausgestellt wird. Eine erste Übersicht gibt die (kommerzielle) Webseite der Fulton Akademie GmbH aus München, die auch die Heilpraktiker Schulen des Anbieters Paracelsus auflistet. Paracelsus bezeichnet sich als der führende Anbieter von Lehrgängen (quasi einer “Ausbildung”), die auf die Heilpraktikerprüfung vorbereiten und gleichzeitig auch Schülern ermöglichen schwerpunktmäßig Grundlagen für bestimmte medizinische Dienstleistungen, die typisch für die Angebotspalette einer Heilpraktikerpraxis sind, zu erlangen.

Wer kontrolliert Heilpraktiker?

Heilpraktiker sind mit ihrer Praxis beim zuständigen Gesundheitsamt gemeldet. Das Gesundheitsamt ist auch zuständig für die amtsärztliche Überprüfung des Anwärters vor der Zulassung zum Heilpraktiker, d.h. das Gesundheitsamt führt die Heilpraktikerprüfung durch.

Desweiteren kontrolliert das Gesundheitsamt den Hygienestandard in der Heilpraktiker-Praxis. Die Hygieneanforderungen in der Praxisführung sind die gleichen wie bei einem Hausarzt/Hausärztin und richten sich nach den angebotenen medizinischen Dienstleistungen. Besondere Anforderungen gelten bei invasiven Methoden, wie Akupunktur, Infusionen, Injektionen etc., da hier ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht. 3

Ärzte und Heilpraktiker im Vergleich

In Deutschland waren 2019 ca. 47.000 Heilpraktiker in Voll- oder Teilzeitpraxis und 402.100 berufstätige Ärzte registriert. Es gibt mehr Ergotherapeuten (52.901) als Hausarztpraxen (44.903) und deutlich mehr Physiotherapeuten (161.145). 4

2017 hatten Heilpraktiker 128.042 Patientenkontakte pro Tag bzw. 46.607.332 pro Jahr. Das sind 2,72 Patienten pro Heilpraktiker pro Tag, wobei eine persönliche Einschätzung von einem Dienstleister der eine Abrechnungsplattform für Heilpraktiker anbietet nur etwa 14.000 Heilpraktiker nach Einschätzung des Rechnungsvolumen den Praxisbetrieb in Vollzeit betreiben, d.h. hauptberuflich tätig sind; der Großteil arbeitet nebenberuflich.5

Wer konsultiert Heilpraktiker?

Etwa 5 % der Bevölkerung beanspruchen gelegentlich eine ursachengerechte Therapie beim Heilpraktiker. Die Hälfte davon, also etwa 1 Millionen Haushalte sind offen für naturheilkundliche Ansätze. Im Regelfall befinden sich diese bereits in ärztlicher Behandlung, insbesondere bei schweren oder chronischen Erkrankungen wie Rheuma, Hashimoto, Impfschäden, Borreliose und Ähnlichem. Häufig leiden die Patienten unter den Nebenwirkungen der schulmedizinischen Medikamente und Behandlungen und suchen deshalb nach Alternativen. Innerhalb der Zielgruppe gibt es eine große Tendenz zur Selbstversorgung, zur persönlichen Fortbildung und Prävention.

Heilpraktiker sind bei ihren Patienten beliebt, da sie bewährte Traditionen alter Heilverfahren mit den Erkenntnissen und Errungenschaften der modernen Wissenschaften kombinieren. Dabei betrachten sie neben den körperlichen Symptomen die Gesamtsituation, einschließlich der emotionalen und psychischen Verfassung des Patienten. Da sich Heilpraktiker in der Regel mehr Zeit für ihre Patienten nehmen und detaillierte Fragen stellen können sie oftmals Zusammenhänge erkennen, die bisher unentdeckt geblieben sind.

Spezialisierung für Heilpraktiker und Therapeuten

Auch Heilpraktiker müssen sich dem Wettbewerb stellen und eine Entscheidung in Bezug auf die Auswahl der medizinischen Dienstleistungen und Anwendungen treffen. Dies geschieht meist im Anschluss der bestandenen Heilpraktikerprüfung oder auch schon während der Vorbereitung auf die Prüfung über das Fortbildungsangebot in Heilpraktikerschulen.

Die folgende Auflistung ist unvollständig, aber sie gibt einen Überblick über die Bandbreite an unterschiedlichen Spezialisierungen, wirtschaftlichen Funktionen und und Tätigkeitsbereichen, die mit der Berufserlaubnis zum Heilpraktiker abgedeckt werden:

HP – Psychotherapie (der “kleine” HP)

HP – Osteopathie

HP – Homöopathie

HP – Kosmetische Anwendungen

HP – Ausländische Ärzte + Gesundheitsdienstleister (Yoga-Therapeuten, Schamanische Medizin)

HP – als Geschäftsführer für Gesundheitsdienstleistungen (Delegation der medizinischen Dienstleistung oder Aufsicht)

HP – TCM / Chinesische Medizin / Akupunktur, Kräuter und manuelle Therapie (Tuina)

HP – Chiropraktiker

HP – Physiotherapeuten (sektoraler Heilpraktiker)

HP – Orthomolekulare Medizin

HP – als Ergänzung zu anderen Gesundheitsberufen bzw. zur Ausführung weitere invasiver Tätigkeiten

HP – Informationsmedizin (Dienstleistungen mit elektronischen Geräten – Messgeräte, Laser etc.)

Zudem kann eine Spezialisierung auf Patienten- bzw. symptomatische Gruppen stattfinden, z.B. Kinder, Krebserkrankungen, Hauterkrankungen und Kosmetik, Labordiagnostik, ethnische Medizinrichtung (Chinesisch, Tibetisch etc.).

Heilpraktiker und die Chinesische Medizin

In den folgenden Abschnitten wollen wir die Traditionelle Chinesischen Medizin näher beleuchten.

Definition Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) / Chinesische Medizin

Die Chinesische Medizin umfasst Akupunktur, Arzneimitteltherapie (Kräuter), Manuelle Therapie (Tuina), Bewegungstherapie (Qigong / Taiji Chuan) und eine Ernährungslehre (5 Elemente Diätetik). Die im Westen bekannteste Säule ist die Akupunktur. Deshalb konzentrieren sich Anbieter in der Praxis meist auf Akupunktur und eine Untergruppe. Akupunktur und manuelle Therapie (Tuina) ergänzen sich sehr gut, während Arzneimitteltherapie und Akupunktur die Bereiche der TCM mit der meisten Theorie sind.

Diagnose in der TCM versus schulmedizinische Diagnose

Chinesische Medizin bedarf zunächst einmal keiner westlichen Diagnose. Es ist ein in sich geschlossener Behandlungsansatz, der sich auf die praktische Diagnose durch Befragung des Patienten, der Zungendiagnose und Pulsdiagnose stützt. Es gibt auch Behandlungsstile, bei denen auch durch Pressen von Akupunkturpunkten und Palpation der Extremitäten eine Diagnose erstellt wird. Gemeinsam haben diese Ansätze, dass es sich um einen subjektiven Ad-hoc-Diagnoseprozess handelt. Die Erkenntnisse fließen in die anschließende Behandlung.

Medizinisches Grundwissen und die Pathologie von westlichen Krankheitsbildern werden im weiteren Sinne gebraucht, um den Genesungsverlauf und die Heilungsszenarien einzuschätzen. Dafür sind die in der Heilpraktikerprüfungsvorbereitung erlangten anatomischen, pathologischen, theoretischen, medizinischen Kenntnisse ausreichend. Entscheidend sind hier die praktische Erfahrung und der ausgeruhte und konzentrierte Zustand des Behandlers. Für eine sichere und effektive Behandlung kann sich der Behandler sich nicht hinter einem Berg theoretischem Wissen verstecken.

Methoden und Techniken in der TCM

Zu den Methoden und Techniken im der TCM zählen die klassische Akupunktur, Zungen- oder Pulsdiagnose, Moxibustion oder Gua Sha. Die Moxibustion, auch Moxa-Therapie oder Moxen genannt wurde vor allem in den kälteren Bergregionen Chinas durchgeführt. Die Erwärmung von Akupunkturpunkten mit brennendem Beifusskraut soll Zuständen von energetischer Kälte und Leere entgegenwirken. Bei Gua Sha werden mit einem abgerundeten Gegenstand durch wiederholte Hautschabungen vorhandene Disharmonien im Organismus lokalisiert und der Energiefluss (Qi) angeregt. In der Akupunktur gibt es verschiedene Stile.

Akupunkturvarianten

Bei der Meridiantherapie wird mit japanischer Akupunktur nach japanischen Prinzipien behandelt. Auch hier wird per Puls diagnostiziert. Es werden sehr dünne Nadeln und kleine Moxakegel eingesetzt.

Für die Schädelakupunktur gibt es verschieden Stile. Die bekanntesten sind nach Yamamoto, nach WHO-Standard, nach Dr. Jiao Sun-Fa und nach Lin Xue-Jian.

Ohrakupunktur nach Nogier, NADA, Battlefield Acupuncture.

Dry Needling: Akupunktur nach rein westlich anatomischen Gesichtspunkten. Die Technik ist verwandt mit Triggerpunktbehandlungen und Triggerpunktmassagetechniken.

Elektroakupunktur: Hier gibt es verschiedene, nach einzelnen Lehrern ausgerichtete Stile: 5 Elemente Akupunktur, Yuan Qi Akupunktur (Suzanne Robidoux), Dr. Tan Akupunktur, Tung Akupunktur sowie koreanische Hand- oder Körperakupunktur.

WHO: Klassifizierung und Standardisierung der Akupunktur

Seit 2005 gibt es Bemühungen bei der WHO, Behandlungen mit der Traditionellen Chinesischen Medizin und insbesondere der Akupunktur in die Nomenklatur des ICD*-11 einzubinden. Die ICD-11 ist die 11. Revision der Internationalen statistischen Klassifizierung der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme der WHO (International Classification of Disease). Sie dient der Verschlüsselung medizinischer Diagnosen und ist eine Weiterentwicklungt der ICD-10. Im Februar 2022 wird dieser Katalog offiziell zur Nutzung freigegeben. Die Standardisierung beinhaltet:

  • Definition der Punktlokalisation von 361 Akupunkturpunkten
  • Eine Vokabelliste von 4000 diagnostischen Beschreibungen
  • Eine Liste von 408 ‚traditionellen‘ Medizin Codierungen.

Inwiefern diese Entwicklung auf eine Ausdünnung der verschiedenen Akupunktur-Varianten hat ist nicht vorherzusehen. 6

Weitere Bereiche der Chinesischen Medizin

Ernährungsberatung und Traditionelle Chinesische Medizin

TCM Ernährungsberater/innen sind von ihrer Grundhaltung her ganzheitlich orientiert. Sie suchen nach einer bewährten Ergänzung zur westlichen Medizin. Mit dem theoretischen Grundlagenverständnis der Chinesischen Medizin und der praxisorientierten Umsetzung von Ernährungs- und Diätempfehlungen können sie eine gezielte Ernährungsweise zur Prävention von Krankheiten und zur Linderung von Beschwerden einsetzen. Eine ärztliche Qualifikation oder Heilpraktikererlaubnis ist hierfür nicht erforderlich.

Chinesische Arzneitmitteltherapie /Phytotherapie

Hier gibt es viele verschiedene Schwerpunkte: Chinesische Kräuterheilkunde nach Shang Han Lun, Kräuterausbildungen nach TCM, Kräuterausbildungen bei Behandlern mit eigener Produktlinie sowie solche, die sich auf chinesische Heilpilze fokussieren.

Qigong und Taiji

Qigong- und Taiji-Trainer bzw. -Lehrer bilden eine eigene freie Berufsgruppe mit eigenen Interessenverbänden und einer Qualifizierung, die eine Subventionierung durch die Gesetzlichen Krankenkassen ermöglicht. Eine ärztliche Qualifikation oder die Heilpraktikererlaubnis ist nicht erforderlich.

Tuina Anmo – die manuelle Therapie der TCM

In der Regel wird Tuina von Ärzten und Heilpraktikern in Kombination mit oder zusätzlich zur Akupunktur und Arzneimitteltherapie angeboten. Hier erfolgt eine Diagnose nach den Prinzipien der Chinesischen Medizin. Die Behandlung besteht aus einer Serie von Terminen. Tuina kann auch als Wellnessmassage von Masseuren angeboten werden. In diesem Fall erfolgt keine Einbindung in ein gesamttherapeutisches Konzept.

Spotlight: Wie sicher sind Heilpraktiker und Akupunktur?

Die Risiken, mit denen Patienten beim Heilpraktiker rechnen müssen, sind sehr gering. Die Anzahl der Schadensfälle ist dermaßen minimal, dass z.B. ‚Die Continentale‘ nicht einmal einen eigenen Punkt in der Schadenstatistik für Heilpraktiker-Risiken vorsieht. Bei anderen Versicherern sieht es ähnlich aus. Weder bei manuellen Therapieverfahren wie Chiropraktik oder Osteopathie noch bei invasiven Methoden wie Akupunktur oder Neuraltherapie gibt es nennenswerte Schäden.7

Verglichen mit der schulmedizinischen Behandlung mit Medikamenten ist die Akupunktur eine relativ sichere Behandlungsmethode. Zur sicheren Anwendung bedarf es maximal der physiologischen, anatomischen und medizinischen Vorkenntnisse, die für die Bestehung der Prüfung zur Erlangung der Berufserlaubnis gebraucht werden. Die Effektivität der Akupunktur hängt von der (Zusatz-)Ausbildung in der Traditionellen Chinesischen Medizin, den theoretischen Kenntnissen und der praktischen Akupunktur-Erfahrung des Behandlers ab.8

Spotlight: Soll ich zum Arzt oder Heilpraktiker für Chinesische Medizin gehen?

Patientenzufriedenheit

Die Patientenzufriedenheit ist bei Heilpraktikerbehandlung am größten. Die Zufriedenheit mit den Behandlungsergebnissen fiel laut einer Fresenius-Studie mit 120 Befragten positiver aus als bei Ärzten. Faktoren, wie Kommunikation, Zeit und wGanzheitlichkeit spielen eine große Rolle. So dauert ein Termin beim Heilpraktiker rund 60 Minuten, beim Arzt durchschnittlich 7,5 Minuten. Leichte Abstriche gibt es lediglich bei den Themen „Transparenz in der Abrechnung“ sowie das „Einhalten von Kompetenzgrenzen“.9

Auswahl des richtigen Behandlers

Die erste Wahl bei der Auswahl eines Behandlers ist neben einer persönlichen Empfehlung sicher ein Blick auf die Website. Welche Akupunkturstile werden angeboten, wie ist die Qualifikation und der Werdegang des Anbieters, wie groß ist die Bandbreite des Angebotes. Hat der Behandler eine große Bandbreite verschiedener medizinischer Felder und Behandlungskonzepte, oder konzentriert er/sie sich auf einen Bereich. Das Feld der Traditionellen Chinesischen Medizin ist so groß, dass man sich lebenslang weiterbilden und seine Stile perfektionieren kann.

Nach einer ‚großen‘ Ausbildung (Ausbildung z.B. bei der AGTCM oder TCM Studium im Ausland) sind das praxisorientierte Lernen und Eigenstudium des Behandlers von größerer Bedeutung als das Absolvieren vieler Zusatzausbildungen. Bei der Akupunktur gilt: Als Patient merken Sie nach 3 bis 4 Behandlungen, ob Sie Vertrauen und eine gute Patienten-Therapeuten-Beziehung haben. Nach einem Zyklus von 10 Akupunktursitzungen sollte ein Meilenstein in der Genesung erreicht worden sein.

Aus- und Fortbildungen für Ärzte, Heilpraktiker und Therapeuten in TCM

In Deutschland darf Akupunktur von Ärzten, Heilpraktikern und Hebammen angewendet werden. Es gibt zahlreiche Weiter- und Fortbildungsmöglichkeiten bei unterschiedlichen Anbietern. Nur wenige Institute entschließen sich, eine umfangreiche Ausbildung mit ca. 1000 Stunden Theorie und Praxis anzubieten. Um ein derart umfangreiches Ausbildungskonzept zu realisieren bedarf es einer langen Erfahrung, einer institutionellen Struktur, die das Wissen, Dozenten, Lehr und Prüfungsprozesse bündelt sowie einem kontinuierlichen Strom an Interessenten, die sich für die Ausbildung entscheiden. In Deutschland gib es nur zwei Anbieter, die seit mehr als 40 Jahren die obigen Bedingungen erfüllen:

AGTCM e.V. – Fachverband für Chinesische Medizin

Die AGTCM e. V. ist ein interdisziplinärer Fachverband für Chinesische Medizin in Deutschland. Sie ist seit über 60 Jahren in Deutschland aktiv, Teil eines internationalen Netzwerks und wichtiger Ansprechpartner für fachlichen und politischen Austausch zu klassischen und modernen Themen der Chinesischen Medizin. Die AGTCM e. V. ist zudem ein Aus- und Fortbildungszentrum für Chinesische Medizin. Zum Angebot zählen weit über 100 Kurse und bundesweite Rahmenlehrpläne für verschiedene Themen, Schwerpunkte und Fortbildungsgrade an. Der Unterricht findet an den fünf Kooperationsschulen in Deutschland statt. Die vereinbarten Standards werden über die QAW (Qualitätskommission für Aus- und Weiterbildung) kontrolliert. Unter den Schülern sind Therapeutinnen und Therapeuten aus verschiedenen Heilberufen vertreten, z.B. Heilpraktiker, Ärzte, Physiotherapeuten, Masseure, Hebammen, etc.). 10

SMS (Internationale Gesellschaft für Medizin e.V.)

Seit über 40 Jahren bildet die Societas Medicinae Sinensis, kurz SMS, in allen Disziplinen der Chinesischen Medizin aus: Akupunktur, Chinesische Arzneimitteltherapie, Diätetik/Ernährungslehre, in den Bewegungstherapien Qigong und Taiji sowie in manueller Therapie Tuina. Der CPC (Certified Physician of Chinese Medicine) ist mit 1.000 Unterrichtseinheiten auf Vereinsebene das umfangreichste ärztliche Studium für Chinesische Medizin im deutschen Sprachraum. Das Angebot richtet sich an Ärzte, Therapeuten und Interessierte. Allerdings können nur Ärzte Voll-Mitglied werden. Therapeuten ohne Arzttitel dürfen an Kursen in Akupunktur und Arzneimitteltherapie nicht teilnehmen. Damit ist die SMS defacto eine Ausbildungsinstitution ausschließlich für Ärzte und Medizinstudenten.

Die SMS bietet als einziger Bildungsträgerin Deutschland ein gleichwertiges Ausbildungsspektrum wie die Kooperationsschulen der AGTCM.11

Weitere Fortbildungsmöglichkeiten für Ärzte:

In Deutschland gibt es zusätzliche Fortbildungsoptionen für Ärzte. Zwei der bekanntesten Institutionen sind die Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur e.V. (DÄGfA) und die Deutsche Gesellschaft für Akupunktur und Neuraltherapie e.V. DGfAN. Seit 1951 engagiert sich die DÄGfA als älteste deutsche Akupunkturgesellschaft für ein hohes Niveau in der Akupunkturausbildung von Ärzten und fördert die Akupunktur in Praxis, Lehre, Forschung und durch Öffentlichkeitsarbeit. Die DGfAn ist eine der führenden Gesellschaften beider Fachgebiete in Deutschland und Europa. Von den anderen Fachgesellschaften unterscheidet sie die komplexe Sicht der tragenden Säulen der Reflexmedizin: Akupunktur, Neuraltherapie und Manuelle Medizin, erweitert durch komplementäre Therapieoptionen, wie z.B. Kinesiologie, Homöopathie, Osteopathie, etc.12

Zudem konnten sich Ärzte bis vor Kurzem an der Universität Witten-Herdecke und TUM in München ausbilden lassen. Aktuell gibt es jedoch nur einen Master Studiengang für TCM an der TUM.13

Weitere Fortbildungsmöglichkeiten für Heilpraktiker:

Für Heilpraktiker, die sich in der Traditionellen Chinesischen Medizin fortbilden wollen, gibt es Kurse an großen Heilpraktikerschulen, aber auch durch kleinere Anbieter, einzelne Ärzte oder Heilpraktiker, die sich einen persönlichen Stil angeeignet haben, aufgrund langjähriger Praxis Verbindungen nach China haben oder selber in einem Schüler-Lehrer-Verhältnis zu einem chinesischen Arzt („Meister“) stehen. Im Vordergrund stehen bei solchen Kursen die praktische Anwendung, ein bestimmter Akupunkturstil oder ein partikuläres Behandlungskonzept. Beispiel: Akupunktur nach Dr. Tan etc.

Volkswirtschaftliche Kosten: Chinesische Medizin von Ärzten oder Heilpraktikern?

Ausbildungskosten Ärzte: Optimierungspotentiale aus volkswirtschaftlicher Sicht

Vollausgebildete Ärzte mit Zusatzausbildungen in Traditioneller Chinesischer Medizin haben eine unvorteilhafte Verteilung ihrer Ausbildungsschwerpunkte. Es stehen 6 Jahre Arztstudium einer Weiterbildung von ca. 200 Stunden gegenüber, denn für die TCM-Behandlung braucht der Arzt in erster Linie die in den Fort- oder Weiterbildungen erworbenen praktischen Fähigkeiten und therapeutisches Wissen. So entstehen bei Ärzten den Versicherten und den Krankenkassen höhere Kosten als bei einem Heilpraktiker mit äquivalenter Ausbildung in TCM.

Das gleiche Bild zeigt sich auch in der Osteopathie. (Vergleich: Volkswirtschaftliche Kosten einer Arztausbildung u. einem Osteopathiestudium gegenüber einem Heilpraktiker mit gleichwertiger Osteopathieausbildung.)

Pro Heilpraktiker: Finanzielle Vorteile aus volkswirtschafterlicher Sicht

„Abgesehen vom wertvollen Beitrag der Heilpraktiker zur Gesundheit der Bevölkerung gibt es auch finanzielle Vorteile. So beträgt das Jahresabrechnungsvolumen aller rund 47.000 hierzulande tätigen Heilpraktiker rund 1 Milliarde Euro, wovon zirka 530 Millionen Euro auf Selbstzahler und 470 Millionen auf Versicherte privater Krankenkassen-Versicherungen (PKV) entfallen. Bei einer angenommenen durchschnittlichen Heilpraktiker-Rechnung von 150 Euro ergibt dies ein Stückzahlvolumen von etwas über 3 Millionen Rechnungen pro Jahr. Geht man davon aus, dass der PKV-Versicherte nach Abschaffung des Heilpraktikerberufs zu einem Privatarzt geht, wird die Rechnungshöhe wohl eher 500 bis 1000 Euro betragen.“ 14

Fußnoten


  1. https://www.heilpraktiker-fakten.de/heilpraktikerfakten/zehn-fakten-zum-heilpraktikerberuf/ ↩︎
  2. https://www.securvita.de/private-krankenversicherung-securvita/leistungen-von-a-bis-z.html ↩︎
  3. https://www.heilpraktiker-fakten.de/heilpraktikerfakten/gesetzliche-vorgaben-zur-berufsausuebung-2/ ↩︎
  4. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/191814/umfrage/anzahl-der-hausaerzte-in-deutschland/
    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/158869/umfrage/anzahl-der-aerzte-in-deutschland-seit-1990/
    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/520500/umfrage/anzahl-beschaeftigter-physiotherapeuten-in-deutschland/
    https://www.arzt-wirtschaft.de/anzahl-der-aerzte-in-deutschland-nach-arztgruppe-bis-2019/ ↩︎
  5. https://www.bdh-online.de/repraesentative-umfrage-jeden-tag-gehen-in-deutschland-128-000-patienten-zum-heilpraktiker/ ↩︎
  6. https://tcm-fachverband.ch/icd-11-neu-mit-tcm/
    https://www.acupuncturetoday.com/digital/index.php?i=755&a_id=33951&pn=10&r=t&Page=10 ↩︎
  7. https://www.portalderwirtschaft.de/pressemitteilung/336764/keine-gefahr-durch-heilpraktiker.html ↩︎
  8. Quelle: MacPherson H, Thomas K, Walters S, Fitter M. A prospective survey of adverse events and treatment reactions following 34,000 consultations with professional acupuncturists. Acupunct Med. 2001 Dec;19(2):93-102. doi: 10.1136/aim.19.2.93. PMID: 11829165.
    Lao L, Hamilton GR, Fu J, Berman BM. Is acupuncture safe? A systematic review of case reports. Altern Ther Health Med. 2003 Jan-Feb;9(1):72-83. PMID: 12564354. ↩︎
  9. https://www.hs-fresenius.de/symposium-therapiewissenschaften/
    https://www.heilpraktiker-fakten.de/2020/09/30/patientinnen-und-patienten-sind-mit-der-behandlung-beim-heilpraktiker-sehr-zufrieden/ ↩︎
  10. https://www.agtcm.de/fachverband/agtcm/index.htm ↩︎
  11. https://www.tcm.edu/aerzte-medizinstudenten/ ↩︎
  12. https://www.daegfa.de/AerztePortal/Home.aspx]
    https://www.dgfan.de/ ↩︎
  13. https://www.tum.de/studium/studienangebot/detail/traditionelle-chinesische-medizin-tcm-master-of-science-msc/ ↩︎
  14. https://www.portalderwirtschaft.de/pressemitteilung/336764/keine-gefahr-durch-heilpraktiker.html ↩︎

Long Covid, Chinesische Medizin und Behandlungstechniken wie Tuina Anmo (manuelle Therapie), Schröpfen und MoxibustioN

Kurze Zusammenfassung:

  1. Der Schweregrad von Long Covid ist bei der Bundesregierung und im Gesundheitswesen angekommen
  2. Suche nach Behandlungsmethoden wird ausgeweitet 3. In der Chinesischen Medizin stand die Phytotherapie bisher im Vordergrund.
  3. Akupunktur hat auch in China bei akuten Covid Erkrankungen gut geholfen
  4. Tuina Anmo (manuelle Therapie), Gua Sha, Schröpfen und Moxibustion sind wichtige Behandlungstechniken bei Long Covid.

Die Ausgangslage in Deutschland

Im Mai 2021 nach dem stetigen Rückgang der Infektionszahlen und dem Fortschreiten der Impfkampagne gibt es nun die Gelegenheit sich dem “Flutschaden” zu widmen, welche die Corona-wellen hinterlassen haben. Hierzu wird berichtet:

Schätzungen zufolge leiden in Deutschland rund 350.000 Menschen an Spätfolgen einer Covid-19-Erkrankung.

Das sagte Bundesforschungsministerin Karliczek in Berlin. Mittlerweile hätten rund 3,5 Millionen Menschen eine Infektion hinter sich, mutmaßlich jeder Zehnte kämpfe mit Spätfolgen. Das sei eine unglaublich hohe Zahl. Karliczek sprach von rund 50 verschiedenen und „sehr individuellen“ Symptomen. Dazu zählten wiederkehrende Kopfschmerzen, extreme Erschöpfung oder Konzentrationsschwierigkeiten bis hin zu Arbeitsunfähigkeit.

Experten sprechen vom „Post Covid Syndrom“ oder von „Long Covid“…

Stefan Schreiber, Direktor des Instituts für Klinische Molekularbiologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, sagte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Karliczek, das „Post Covid Syndrom“ sei nicht einfach eine Verlängerung von Covid. Vielmehr litten die Betroffenen sechs bis zehn Monate nach der Infektion an einem „eigenständigen Krankheitsbild“.

Quelle: Deutschlandfunk 1

In einem anderen Bericht zu der Pressekonferenz steht:

Auch Patienten mit einem milden Krankheitsverlauf einer Corona-Infektion erholen sich oft nur langsam davon. Von den Patienten einer Post-Covid-Ambulanz in Köln klagte jeder achte Patient noch sieben Monate nach Ende der Erkrankung über weitere Symptome, wie es in einer Studie der Universitätsklinik Köln in der Wissenschaftszeitschrift Lancet 2 hieß. Das bedeutet, dass mehrere hunderttausend Menschen vom sogenannten Post-Covid-Syndrom betroffen sind, wenn die Anzahl von 3,5 Millionen Genesenen zugrunde gelegt wird.

[Laut] Bundesbildungsministerin Anja Karliczek … Patienten hätten etwa wiederkehrende Kopfschmerzen, litten unter extremer Erschöpfung oder Konzentrationsschwierigkeiten, neurologischen Ausfällen, Geruchs- und Geschmacksstörungen und könnten nicht mehr zur Arbeit gehen. Die genannten Spätfolgen können auch dann auftreten, wenn jemand einen leichten oder schweren Krankheitsverlauf hatte. „Long Covid wird für unser Gesundheitswesen enorme Folgen haben.“

Quelle: FAZ 3

Chinesische Medizin

Der Einsatz von Chinesischen Medizinprodukten und Anwendungen wurde nach den klinischen Erfolgen während der ersten Wellen in China forciert. Ein kurze Recherche in PubMed zeigt den Schwerpunkt:

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Insbesondere Heiner Frühauf mit seinen Verbindungen nach China konnte viele Einsichten der englischsprachigen CM Gemeinde vermitteln. Die Beiträge befinden sich auf seiner Webseite.

Auch das australische Magazin “The Lantern” hat eine kostenlose Sonderausgabe publiziert: The Lantern Free Covid Issue

Beide Quellen spiegeln den Stand der Diagnostik der Chin. Medizin am Anfang der Pandemie bzw. im Jahr 2020 wieder.

Chinesische Arzneimitteltherapie und Westliche Kräuter :

Am meisten Aufmerksamkeit bekam die Chinesische Arzneimitteltherapie. Aber auch in Europa und anderen Kontinenten gab es Initiativen westliche Krätuer nach Chinesischer Medizindiagnose einzusetzen.4

Der Terminus “Westliche Kräuter und TCM” ist ein fester Begriff in Deutschland und steht für den Einsatz von europäischen Pflanzen und Wirkstoffen nach den Einordnung nach der Chinesischen Medizintheorie (Geschmacksrichtungen, energetische Wirkung, Wirkung auf die Zang Fu).5

Bekannte Ärzte und Heilpraktiker mit eigenen (chinesischen und westlichen) Kräuterprodukt-linien, die in Deutschland als Nahrungsergänzungsmittel durch spezialisierte Apotheken oder direkt vertrieben werden.

Beispiele dafür sind:
Hermann Hempen in München. Sein Team hat einen ganzen Katalog mit Empfehlungen für die eigene Produktlinie und frei-zusammen stellbare Rezepuren veröffentlicht. 6

Weitere Behandler:
Claude Diolosa in Italien: Onlineshop
Karl Zippelius in Italien : Onlineshop
Heiner Frühauf in den USA mit europäsischem Vertrieb.

Diese Behandler haben ihre eigenen Produktlinien erweitert oder Zusammenstellungen empfohlen für den Einsatz zur:

  1. Prävention Adjuvanten Behandlungen einer akuten Infektion Adjuvanten
  2. Behandlung von Post Covid / Long Covid Adjuvanten
  3. Behandlung von ungewollten Impfnebenwirkungen

Darüber hinaus gab es auch Initiativen von CM Behandlern in Österreich und in den USA eigene Versorgungsinfrastrukturen, und Datenerhebungsprojekte aufzubauen, um:

a) den sofortigen Einsatz (potentiell flächendeckenden) von Chinesischer Medizin im eigenen Lande zu ermöglichen
b) gleichzeitig mit der Versorgung die Datenlage zu verbessern

TCM Connect (Österreich)

Das Projekt TCM Connect in Wien ist ein solches:

Die Online-Plattform TCMconnect.at wurde auf Initiative der Wiener Schule für Traditionelle Chinesische Medizin -WSTCM GmbH (http://wstcm.at) ins Leben gerufen, um Patientinnen und Ärztinnen zu verbinden. Die österreichischen TCM-Gesellschaften und der Dachverband für TCM & verwandte Gesundheitslehren Österreichs haben sich zusammengeschlossen, um möglichst vielen Menschen Unterstützung in Sachen TCM zu bieten. Unsere Expert*innen betreuen und begleiten Sie mit TCM Kräuterkombinationen oder mit Hilfe Westlicher Phytotherapie auf Basis der TCM Diagnostik. Schnell und unkompliziert über Video-/Audio-Telefonie oder einem persönlichen Termin in den Praxen. 7

Ein wichtiger Aspekt ist die strukturierte Sammlung von Informationen:

… die Erstellung einer Gesamtdatenbank für die spätere wissenschaftliche Bearbeitung. Die damit verbundene elektronische Datenerhebung kann mit der Dokumentationssoftware „TCMdoc COVID“ datenschutzkonform nach DSGVO durchgeführt werden.

Die Dokumentationssoftware TCMdoc wird allen, die bei der Datensammlung mitmachen wollen in Form einer Sammellizenz von der WSTCM kostenfrei zur Verfügung gestellt. „TCMdoc Covid“ ist speziell vorbereitet und enthält als Template einen Fragebogen und im Rezeptteil schon vorbereitete Rezepturen zur Prävention und Behandlung aller Stadien von COVID-19 Infektionen, die als Vorlagen dienen können. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

SIEAM (USA)

In den USA gibt es das Seattle Institute of East Asian Medicine – SIEAM

Die Initiative der Schule hatte drei Ziele:

  1. Das Organisieren eines laufenden Praxisbetriebes, der unter Corona-Bedingungen Patienten mit Covid-19 Symptomen sicher und effizient behandeln kann.
  2. Die Erhebung von quantitativen (nicht-statistischen) Daten zur Weiterverabeitung in naturwissenschaftlichen Forschungsprojekten, zur Weitergabe an weitere Behandler in der CM Community.
  3. Die Erhebung von qualitativen Daten in Bezug auf wissenschaftlichen Standards, die von den amerikanischen Gesundheitsbehörden gefordert werden, um die Chinesische Arzneimitteltherapie als ein valides und ebenbürtiges Therapieangebot bei akutem und Post / Long Covid aufzustellen.

Akupunktur

Akupunktur bei akuten Fällen und während der Post-Covid sowie Long-Covid Phasen einer Erkrankung in China eingesetzt.

Beispielgebend steht hier der Bericht von Dr. Li Liuhong der in Wuhan während der Pandemie praktizierte,

Die deutsche CM Community tauscht sich aus

In Deutschland gab es jetzt 2 größere Online Symposien:

Eines von der AGTCM und deren Kooperationsschule ABZ München organisiert. Bei der AGTCM können Heilpraktiker und Ärzte, die CM praktizieren, Vollmitglieder werden: Covid-19 and Chinese Medicine – Vortragssprache war Englisch mit Übersetzung ins Deutsche.

Das zweite war von dem Verband SMS (Vollmitgliedschaft nur für Ärzte): Long-Covid-19 Syndrome und Therapie

In Deutschland dürfen Ärzte und Heilpraktiker, das volle Repertoire der chin. Medizin anbieten. Ausnahmen sind nur einzelene Kräuter/Pflanzen, die verschreibungspflichtig sind.

Heilpraktiker behandeln in dem gesetzlichen Rahmen des sog. Heilpraktikergesetzes. Dies schliesst die Behandlung von (akuten) Infektionserkrankungen aus. Beschwerden nach einer abgeklungen Infektion und insbesondere Post/ Long Covid assoziierte Symptome dürfen diagnostitziert und, mit dem vom Heilpraktikern angebotenen Repertoire an medizinischen Leistungen, behandelt werden. In einem etablierten und gut ausgestatteten öffentlichem Gesundheitssystem wie in Deutschland steht es natürlich nicht zur Debatte, die Krankenkassen-finanzierten ärztlichen u. klinischen Therapieangebote zu ignorieren. Die Chinesische Medizin und Heilpraktiker bieten ergänzende, adjuvante (begleitende) Angebote.

Die Chinesische Medizin nimmt mit Long und Post Covid nun eine Sonderrolle ein:

  1. Sie hat eine modalitäten-übergreifende Medizintheorie und ermöglicht somit eine strukturierte Behandlung durch Arzneimittel (Chinesiche oder Westliche Kräuterrezepturen), durch Akupunktur und durch manuelle Therapie. Dazu kommen noch Therapieangebote und Rehabilitationskonzepte von Qigong und Taiji.
  2. Durch den Erfolg in China gegen den Einsatz von Covid Erkrankungen und der geringen Nebenwirkungen, hat sich die Chin. Medizin einen praktischen Wissensvorsprung erarbeitet.
  3. In Europa, den USA und anderen Kontinenten gibt es eine durchgehende Tradition seit dem 2ten Weltkrieg von Behandlern die Chin. Medizin praktizieren und auch an lokalen Ausbildungstätten im jeweiligen Heimatland ihre Qualifikationen erworben haben.

Tuina, Schröpfen und Moxibustion bei Long Covid

Im folgenden werden nun die Behandlungsprotokolle von einem Patientenfall und einer noch nicht zu Ende geführten Studie wiedergegeben.

Ein Patientenfall mit Long Covid

Patientenfall von Monica Montero-Wiesner – Diplomierte Tuina-Anmo-Praktikerin in Wien (Österreich). Dieser Fall wurde auf dem Covid-19 Symposium im Juni 2021 vorgestellt.

Behandlungsprotokoll:

  1. Verbliebene Hitze und Toxine im OE ausleiten
  2. Feuchtigkeit und Schleim im Brustkorb rausholen
  3. Stagniertes Leber und Gallenblasen qi in Bewegung bringen
  4. Blut Stagnation im ME lösen
  5. Taiyin Funktion stärken: Milz qi und Lungen qi tonisieren

Erste Behandlung
Gua Sha der seitlich der HWS und BWS; auf dem Trapeziusbereich; um Gb 21, dem Schulterblatt und der Zwischenrippenmuskulatur.

An Rou Fa (kreisendes Kneten) entlang der Gb und Ma-Leitbahn um Gb 30, Gb 34, Ma 40, Gb 40, Gb 41.

Na Nie Fa (Greifen/drücken/hochziehen/loslassen) der Hüft und Bein-muskulatur

An Rou Fa um Bl 17, Bl 18, Bl 19 (Shu Punkte des Zwerchfell, Leber und Gallenblase)

TDP Lampe am unteren Rücken (wärmen für das Nieren Yang) Dazu:
● An Rou Fa von Bl 20 (Shu Punkt der Milz
● Gun Fa (Rollen) entlang der Lendenwirbelsäule

Muskelverspannungen um den Schultergürtel behandeln:

● An Rou Fa von Gb 21 zum Absenken des Lungen qi
● An Rou Fa von Bl 13 zum Entspannen der HWS
● Yao Fa (Rotieren) der Schulter mit An Fa (Pressen) von Lu 1

Zweite Behandlung:
Gua Sha auf dem Brustbein, unterhalb des Schlüsselbeins und Brust: Zum Ausleiten der verbliebenen Hitze und Toxine im OE.
Schröpfen von Ren 17 und Lu 1 (leitete Feuchtigkeit aus).

Moxa auf Ni 1 für 10 Minuten:
● Unterstützt die Niere das Lungen Qi zu fassen
● TDP Lampe auf Ren 8 zum Wärmen des Nieren Yangs

Klinische Forschungsreiche : Moxibustion, Schröpfen und Atemübungen

Das ‘Guang’anmen Hospital of China Academy of Chinese Medical Sciences’ hat folgende Studie registiert:

Moxibustion Plus Cupping in Convalescent Patients With COVID-19: A Randomized Clinical Trial
Experimental: Moxibustion plus Cupping

Die standardisierte Behandlung besteht aus Moxibustion, Schröpfen und Anweisungen zu Atem- und Bewegungs-therapie Schritten.
Die Patienten werden einmal am Tag (28 Einheiten) über 4 Wochen behandelt. Dazu gibt es zwei Behandlungsprotokolle:

A: Monday, Wednesday, Friday and Sunday: moxibustion on bilateral
A: Montag, Mittwoch, Freitag und Sonntag: beidseitige Moxibustion von Fengmen (BL12), Feishu (BL13) and Pishu(BL20)

B: Dienstag, Donnerstag und Samstag: Moxibustion auf Zhongwan (RN12), Qihai (RN6), beidseitig Tianshu(ST25) und Zusanli(ST36) + cupping on bilateral Feishu(BL13) Geshu(BL17) Pishu(BL20)

Die Protokolle wurden 7 mal pro Woche für 4 Wochen angewendet. Zusätzlich werden noch andere Akupunkturpunkte mit Moxa behandelt: Gegen Schwitzen Fuliu (KI7), Schlafstörungen Shenmen(HT7),Ängstzustände Neiguan (PC6).

Ankündigungen: Systematische Studien in der Pipeline

Viele systematische Studien sind in der Pipeline. Beispielhaft stehen die folgenden 4 Forschungsprojekte in Bezug auf Tuina und Covid-19:

Chi W, Chen Y, Wang L, Luo Z, Zhang Y, Zhu X. Acupuncture for COVID-19 patient after ventilator weaning: A protocol for systematic review and meta-analysis. Medicine (Baltimore). 2020 Dec 11;99(50):e23602. doi: 10.1097/MD.0000000000023602. PMID: 33327327; PMCID: PMC7738103.

Wu L, Dong Y, Li J, Huang J, Wen D, Peng T, Luo J. The effect of massage on the quality of life in patients recovering from COVID-19: A systematic review protocol. Medicine (Baltimore). 2020 Jun 5;99(23):e20529. doi: 10.1097/MD.0000000000020529. PMID: 32502008; PMCID: PMC7306388.

Zhou KL, Dong S, Fu GB, Cui SS, Guo S. Tuina (massage) therapy for diarrhea in COVID-19: A protocol for systematic review and meta-analysis. Medicine (Baltimore). 2020 Jul 10;99(28):e21293. doi: 10.1097/MD.0000000000021293. PMID: 32664185; PMCID: PMC7360276.

Wu L, Yuan Q, Kuang Y, Chen Y, Li J, Feng Y, Luo J. External treatment of traditional Chinese medicine for COVID-19: A protocol for systematic review and meta-analysis. Medicine (Baltimore). 2020 Sep 25;99(39):e22316. doi: 10.1097/MD.0000000000022316. PMID: 32991438; PMCID: PMC7523841.


  1. https://www.deutschlandfunk.de/forschungsministerin-karliczek-geschaetzt-350-000-long.2850.de.html?drn:news_id=1264799 ↩︎
  2. https://www.thelancet.com/journals/lanepe/article/PIIS2666-7762(21)00099-5/fulltext# ↩︎
  3. https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/karliczek-will-long-covid-besser-erforschen-lassen-17367439.html#void ↩︎
  4. https://rp-online.de/panorama/coronavirus/forscher-untersuchen-heilpflanzen-gegen-das-coronavirus_aid-53616205 ↩︎
  5. https://www.naturmed.de/thema/tcm-akupunktur/westliche-kraeuter-2/ ↩︎
  6. https://www.hempen.de/assets/Uploads/long-covid-tcm-Muenchen.pdf ↩︎
  7. https://www.tcmconnect.at/tcmconnect-fuer-patienten ↩︎

Die Sondermeridiane in der TCM (Teil 2)

In Teil 1 (bitte verlinken auf Teil 1) haben wir einen der wichtigsten Sondermeridiane in der TCM, dem Ren Mai bzw. Konzeptionsgefäß vorgestellt. Sein Gegenspieler ist Du Mai, das Lenker- oder Gouverneursgefäß, um das es in diesem Teil 2 geht, ebenso wie die restlichen sechs Sondermeridiane. Weshalb sind die Sondermeridiane so wichtig? Was hat der Nicht-Fachmann oder Patient davon, mehr darüber zu wissen? Eine erste Idee erhält man bereits beim Blick auf die Namen. Hier noch einmal auf einen Blick alle Sondermeridiane in der TCM:

Chong Mai – Durchdringungsgefäß (Thrusting Vessel)

Ren Mai – Konzeptionsgefäß (Conception Vessel) (s. Sondermeridiane Teil 1)

Du Mai – Lenkergefäß (Governing Vessel)

Dai Mai – Gürtelgefäß (Belt Vessel)

Yin Qiao Mai – Yin Fersengefäß (Yin Linking Vessel)

Yang Qiao Mai – Yang Fersengefäß (Yang Linking Vessel)

Yin Wei Mai – Yin Verbindungsgefäß (Yin Heel Vessel)

Yang Wei Mai – Yin Verbindungsgefäß (Yang Heel Vessel)

Man kann zum Teil bereits aus dem Namen die Funktion des Meridians ablesen, aber auch die Komplexität und Ganzheitlichkeit, mit der das Meridiansystem aufgebaut ist bzw. funktioniert. Dazu gleich mehr.

Der Du Mai – Lenker- oder Gouverneursgefäß

Das Lenkergefäß ist der Gegenspieler zum Konzeptionsgefäß und damit einer der wichtigsten Sondermeridiane. Du Mai beginnt bei Du 1 an der Steißbeinspitze und verläuft entlang der Wirbelsäule über den Schädel medial bis zur Oberlippe. Es endet bei Du 28 im Oberkiefer zwischen den beiden Schneidezähnen im Philtrum. Das ist die vertikale Rinne, die sich von der Nase bis zur Mitte der Oberlippe herabzieht.

Du Mai ist der Herrscher über die Yang-Meridiane. Er kontrolliert und überwacht alle Yang-Meridiane im Körper. Die Kräfte, die durch Du Mai mobilisiert werden, sind u. A. für Schnelligkeit, Ausdauer und Beweglichkeit verantwortlich. Du Mai liefert zudem sexuelle Energie, ermöglicht es dem Menschen aufrecht zu gehen und versorgt das Gehirn. Er hat somit Bedeutung für die geistige und intellektuelle Entwicklung des Menschen.

Wie gut vernetzt und interaktiv das Meridiansystem ist, zeigt sich z.B. anhand von Dü 3. Dieser Punkt auf dem Dünndarm-Meridian – Rückwertige Schlucht genannt – ist ein interessanter Öffnungspunkt für den Du Mai. Er wird angewendet, um (unnachgiebige) Halsstarrigkeit zu lösen, damit psychisch neues Wachstum möglich wird. Es hilft, Altes loszulassen, sich zu trennen, zu entscheiden und nach vorne zu blicken. Eigenschaften, die wir nicht nur in Covid19-Zeiten gut gebrauchen können.

Du 3 (Grenztor der Lende) hat aufgrund seines Sitzes zwischen Kreuzbein und Lendenwirbelsäule eine strategische Bedeutung. Bei mangelnder Beweglichkeit oder Überbelastung kann Du 3 genadelt werden. Rückenschmerzen im unteren Rücken und Schwäche in den Beinen sind die Symptome, aber auch mentale oder emotionale Starre.

Meditation u. Qigong mit dem Du Mai

Insbesondere für Meditation und Qigong spielt das Lenkergefäß eine große Rolle. Beim sogenannten „Kleinen Himmlischen Kreislauf“ wandert die Energie das Lenkergefäß entlang nach oben und (vorne) am Konzeptionsgefäß entlang wieder nach unten. Der Kleine Himmlische Kreislauf gilt als eine der ältesten und stärksten Techniken im Taoistischen Qigong. Er wurde über Jahrtausende angewandt, um das spirituelle Bewusstsein zu erhöhen, und nur als Geheimwissen an königliche Familien von erleuchteten Meistern weitergegeben. Der Legende nach hat Lao Tzu die Unsterblichkeit erlangt, nur durch Praktizieren des Kleinen Himmlischen Kreislaufs. Wie entsteht der Kleine Himmlische Kreislauf? Indem die Zunge mit dem Gaumen verbunden wird. So schließt sich der Kreis zwischen Lenker- und Konzeptionsgefäß.

Akupunktur und der Du Mai

Auf dem Lenkergefäß gibt es wichtige Akupunkturpunkte, die als Energiereservoir gelten und bei Blockaden zu psychischen und physischen Problemen führen können. Mit Akupunktur können diese Blockaden und Beschwerden gelindert bzw. beseitigt werden.

Wie gesagt, es gibt viele sehr wichtige Punkte auf dem Lenkergefäß, die auch in der Kampfkunst eine große Rolle spielen. Zum Beispiel LG 14, wo die drei Yang-Meridiane der Hände und Füße sich treffen. Von den 28 Punkten sei der Anfangspunkt noch Du 20 (Baihui) auf der Kopf- bzw Scheitelmitte erwähnt. Im Ayurveda ist dieser Punkt als Kronenchakra bekannt. Bai bedeutet Hundert, Hui bedeutet Treffen. Es ist der Treffpunkt der drei Fußmeridiane Gallenblase, Blase, Magen sowie Leber. Er wird auch „Zusammenkunft aller Leitbahnen“ genannt und ist der Eintrittspunkt für die spirituelle bzw. Yang- oder Sonnenenergie in den Körper. Baihui ist auf der Schädeldachmittellinie, wenn man von den Ohrspitzen senkrecht nach oben geht.

Konstitutionstypen

Dies sind vorwiegend männliche Patienten mit häufigen Rückenproblemen, in der Kindheit evtl. mit Skoliosen und anderen Wirbelsäulenerkrankungen, häufig mit Lernschwäche und der „nervöse Zappelphilip“. In der Regel sind es Kopfarbeiter, die oft zu wenig körperlichen Ausgleich haben. Sie neigen zu Besserwisserei und zum Theoretisieren. Eine schwache Rückenmuskulatur beeinträchtigt das aufrechte Gehen, sie frieren besonders und Händen und Füßen, sind dünnhäutig, empfindlich, und man kann es ihnen nur schwer recht machen.

Weitere Eigenschaften des Du Mai

Das Lenkergefäß hat direkten Einfluss auf:

Magenmeridian, Dünndarm, Dickdarm, Gallenblasenmeridian

Blasenmeridian, Dreifacherwärmer-Meridian, Lebermeridian, Nierenmeridian bzw. konkret auf Rücken, Wirbelsäule, Nacken und den dorsalen Kopfbereich.

Indikationen:

Chronische Müdigkeit, Impotenz, Libidostörung, Schmerzen in LWS, verschlimmert durch Bewegung und Belastung, akute Erkältungserkrankungen mit Nackensteifigkeit, Fieber, Kopfschmerzen; Schwindel, Hypertonus, Epilepsie, Migräne, Fieberkrämpfe, Vergesslichkeit, verlangsamte geistige Entwicklung bei Kindern, Altersdemenz, Tinnitus, leichter Tremor, schwaches Immunsystem, Erkältungsanfälligkeit

Chong Mai – Durchdringungs- oder Penetrationsgefäß (Thrusting Vessel)

Der Chong Mai setzt sich aus fünf verschiedenen Bahnen zusammen. Er kontrolliert und reguliert Chi und Blut innerhalb der 12 regulären Meridiane. Er beginnt im Genitalbereich tritt am Huiying (Ren1) im Perineum heraus und verläuft lateral zum Ren Mai und mit dem Nierenmeridian zum Thorax, wo er sich in den Interkostalräumen verteilt. Indikationen u.A.: Dysmenorrhö, Amenorrhö, Klimakterium, Myome, Tumoren im Bauch, Prostatitis, Urethritis, Impotenz, Angina pectoris, gestaute Venen an der Zungenunterseite, Völlegefühl, chronische Schmerzen und energetische Störungen nach Curettage und Kaiserschnitt.

Dai Mai – Gürtelgefäß (Belt Vessel)

Der Dai Mai hat seinen Namen, weil er wie ein Gürtel um die Hüfte verläuft. Er verbindet alle Meridiane im Körper. Er wird am besten bei Körperübungen mit Hüftdrehung aktiviert. Er beginnt bei Le13 umkreist die Taille wie ein Gürtel, beendet seinen oberflächlichen Verlauf bei Gb 28. Der Dai Mai verbindet die obere und untere Körperhälfte und kontrolliert den Energiefluss der Bein-Meridiane. Indikationen: angespannte Schulter-/Nackenmuskulatur, Herpes Zoster, Zystitis, Migräne und Kopfschmerzen besonders an der Schläfe, starke innere Anspannung, Gereiztheit; desweiteren juckender, gelber Fluor vaginalis, Herpes genitalis, juckende, geschwollene Genitalien, akuter Harnwegsinfekt, chronischer vaginaler Ausfluss, Hernien, Prolaps und habituelle Fehlgeburten.

Yin Qiao Mai – Yin Fersengefäß (Yin Linking Vessel)

Der Yin Qiao Mai beginnt bei Ni 2 an der Fußinnenseite, zieht über da Abdomen und kommt vor Ma 9 an die Oberfläche und von dort zu Bl 1 zwischen Auge und Nasenwurzel. Der auch als Fersengefäß bekannte Yin Qiao Mai kontrolliert das Yin Chi auf der linken und rechten Körperhälfte und wird auch mit dem Öffnen und Schließen der Augenlider sowie mit der Bewegung der unteren Gliedmaßen in Verbindung gebracht. Indikationen sind: Schlafstörungen, Augenerkrankungen, Augentrockenheit mit mangelnder Tränenflüssigkeit, verstärkter schmerzhafter Muskeltonus der Innenseite bei atonischer Muskulatur der Außenseite des Beins, Gehbeschwerden. Unterbauchschmerzen, Schmerzen in den inneren Geschlechtsorganen, Myome, Plazentalösungsstörungen, Fluor vaginalis.

Yang Qiao Mai – Yang Fersengefäß (Yang Linking Vessel)

Das Yang Fersengefäß beginnt bei Bl 62, läuft über die Außenseite des Beins zu Dü 10, seitlich am Körper entlang am Hals und endet bei Bl 1. Er kontrolliert das Yang Chi der linken und rechten Körperhälfte. Indikationen: Somnolenz, Augenerkrankungen, wie gerötete, schmerzhafte Augen, Apoplex, Hörsturz, Migräne, Fazialislähmung, Erkältungskrankheiten, einseitige Schmerzen lateral zur WS, verstärkter, schmerzhafter Muskeltonus der Außenseite bei atonischer Innenseite des Beins.

Yin Wei Mai – Yin Verbindungsgefäß (Yin Heel Vessel)

Das Yin Verbindungsgefäß beginnt bei Ni 9, verläuft medial über Bein und Abdomen zur Brust und endet bei Ren 23 in der Kehle. Er verbindet alle Ying-Meridiane miteinander, kräftigt Yin und Blut, insbesondere bei Frauen. Indikationen: Depression, Ängstlichkeit, Schreckhaftigkeit, Schlaflosigkeit, Alpträume

Yang Wei Mai – Yin Verbindungsgefäß (Yang Heel Vessel)

Der Yang Wei Mai verteilt, reguliert und speichert Chi und Blut aller Yang-Meridiane. Sein Ursprung ist in der Ferse, er tritt aus beim Knöchel bei Bl 63 und verläuft von unten nach oben entlang des Gallenblasenmeridians, an der Hüfte vorbei, über Thorax zum Hals, am Ohr vorbei zur Stirn, von dort über den Hinterkopf zu Gb20. Er endet bei Du 16 am unteren Ende des Hinterkopfes. Indikationen sind chronische Gelenkschmerzen und -erkrankungen, Schmerzen entlang der Außenseite des Körpers, intermittierendes Fieber, Schüttelfrost, wechselnd mit Fieber sowie Fieber unbekannten Ursprungs.

Akupunktur in der Chinesischen Medizin mehr als das Nadeln in Triggerpunkte

Wie bereits erwähnt, kann man anhand des Verlaufs und der Kreuzungspunkte erkennen, wie verflochten, verwoben und „abgesichert“ das Meridiansystem im Körper ist, wie ein enges Netz mit doppeltem Boden. Das schafft Verständnis und Vertrauen und macht nicht zuletzt die Akupunktur zu einer leistungsfähigen Behandlungsmethode. Deshalb kann bereits mit wenigen Anwendungen durch einen erfahrenen Akupunkteur deutliche Linderung oder Beschwerdefreiheit auch bei scheinbar unklaren Symptomen erzielt werden.

Quellen:
Leitfaden Chinesische Medizin: Claudia Focks
The Encyclopedia of Dim-Mak

Udo Lorenzen

Chi Kung – Taoist Secrets of Fitness and Longevity by Wen Mei Yu

Die Sondermeridiane in der Chinesischen Medizin / TCM (Teil 1)

Den meisten Menschen, die sich für Akupunktur oder Traditionelle Chinesische Medizin interessieren, sind die Haupt- bzw. Organmeridiane ein Begriff. Diese sind, wie der Name schon andeutet, den Organen zugeordnet, Die Hauptmeridiane werden häufig paarweise betrachtet (sog. Komplementärorgane): Diese sind Lunge/Dickdarm, Herz/Dünndarm, Niere/Blase, Magen/Pankreas, Leber/Gallenblase sowie Perikard/Dreifacherwärmer. Dies sind die regulären 12 Organmeridiane. Darüber hinaus gibt es noch acht Sondermeridiane, die eine wichtige Rolle spielen.

Bevor wir die Sondermeridiane und deren Funktionen betrachten, sollten Sie folgende fünf Prinzipien über Yin und Yang kennen:

Die Aspekte von Yin und Yang

Alle Dinge haben einen Yin- und einen Yang-Aspekt. Tag (Yang) und Nacht (Yin), Himmel (Yang) und Erde (Yin), etc. Damit wird klar, dass Yin und Yang nur in Relation zueinander bestehen. Auch unser Körper – der als Mikrokosmos im Makrokosmos Universum existiert – wird in Yin und Yang unterteilt: die Vorderseite ist Yin, die Rückseite Yang. die untere Körperhälfte (Bauch, Becken, etc.) ist Yin, die obere (Brust etc.) Yang. Noch weiter unterteilt ist das Körperinnere, also die Organe Yin, der äußere Teil (Haut) Yang.

Obwohl man zwischen Yin und Yang unterscheiden kann, können die beiden nicht voneinander getrennt werden. Sie erschaffen und definieren sich gegenseitig. Ohne Wärme und Kälte kann keine Temperatur bestimmt werden, ohne Höhe gäbe es keine Tiefe, ohne Licht (Freude etc.) gäbe es keinen Schatten (Trauer etc.). Yin und Yang kontrollieren und gleichen sich gegenseitig aus. Energetische Fülle (Yang) wird durch Leere (Yin) ausgeglichen, Kälte durch Wärme, etc.

Yin und Yang gleichen sich also gegenseitig aus und können durch entsprechende Maßnahmen, wie z.B. Qigong in gesunde Balance gebracht werden. Und schließlich verwandeln sich Yin und Yang ineinander, Transformation genannt, z.B. durch Ein- und Ausatmen, Aktivität und Passivität, etc… Kommen wir damit zu den Sondermeridianen:

Sondermeridiane und deren grundsätzliche Funktion

Die Sondermeridiane in der TCM sind:

Chong Mai – Durchdringungsgefäß – Thrusting Vessel

Ren Mai – Konzeptionsgefäß – Conception Vessel

Du Mai – Lenkergefäß – Governing Vessel

Dai Mai – Gürtelgefäß –Belt Vessel

Yin Qiao Mai – Yin Fersengefäß – Yin Linking Vessel

Yang Qiao Mai – Yang Fersengefäß – Yang Linking Vessel

Yin Wei Mai – Yin Verbindungsgefäß – Yin Heel Vessel

Yang Wei Mai – Yin Verbindungsgefäß – Yang Heel Vessel

Im Gegensatz zu den 12 Organmeridianen sind die Sondermeridiane keinem Organ zugeordnet. Auch gibt es keine Beziehung zwischen Innen und Außen.

Die Sondermeridiane haben keine eigenen Punkte, sondern nutzen die Kreuzungspunkte der 12 Organmeridiane. Die Fließrichtung der acht Sondermeridiane ist – mit Ausnahme des Chong Mai und Dai Mai – immer von unten nach oben. Es gibt keinen Austausch mit den oberen Körperteilen. Vier der Sondermeridiane sind Einzelmeridiane, die anderen vier treten paarweise auf.

Verlauf der Sondermeridiane

Die acht Sondermeridiane verlaufen entlang der 12 Hauptmeridiane. Ihre Aufgabe besteht darin, die Blut- und Chi-Zirkulation der Hauptmeridiane zu regulieren. Sie übernehmen eine Lagerhaltungsfunktion: Sollte ein Überschuss an Blut oder Chi in den Hauptmeridianen vorhanden sein, wird dieses in die Sondermeridiane weitergeleitet, wo die Energie eingespeichert wird, bis sie von den Organmeridianen wieder gebraucht wird.

Die Sondermeridiane teilen den Körper ich acht Bereiche auf. Der Ren Mai und der Du Mai sind für die linke und rechte Körperhälfte zuständig. Der Dai Mai teilt in die obere und untere Körperhälfte. Der Yang Qiao kontrolliert den Yang-Aspekt der linken und rechten Körperhälfte, der Yin Qiao den Yin-Aspekt der linken und rechten Körperhälfte. Der Yang Wei Mai wird genutzt zur Aufteilung des Yang-Aspektes in Vorder- und Rückseite, Ying Wei Mai teilt auf in den Yin-Aspekt der Vorder- und Rückseite des Körpers.

Zwei Ausnahmen: Ren Mai und Du Mai

Eine Ausnahme bilden das Konzeptions- und Lenkergefäß, die eigene Punkte und Namen haben, während die anderen sechs Sondermeridiane bestehende Punkte der Hauptmeridiane, die sie kreuzen, nutzen.

Konzeptionsgefäß (KG) – Ren Mai

Das Konzeptionsgefäß hat insgesamt 24 Punkte; es beginnt am Perineum (KG 1, Huiyin), also zwischen Anus und Genitalien und verläuft in der vorderen Mittellinie über Abdomen, Thorax sowie Hals und endet unter dem Mund. Den Mund umfließend sendet er Äste zu den Augenhöhlen aus. Das Konzeptionsgefäß kontrolliert das Yin im Körper, d.h. es reguliert die Blut- und Qi-Zirkulation in den Yin-Meridianen. Es wird deshalb auch oft „Der See der Yin-Meridiane“ genannt. Alle Yin-Meridiane der Hand und des Fußes treffen sich bei KG 3. Ren Mai hat somit direkten Einfluss auf folgende Meridiane:

Milz – Leber – Nieren – Dünndarm – Lunge – Perikard – Magen – Blase – Herz – Dreifacherwärmer – Gallenblase – Dickdarm.

Konzeptionsgefäß und die Frau

Der Ren Mai hat seinen Ursprung im Uterus und spielt deshalb eine besondere Rolle bei der Empfängnis; daher auch der Name „Konzeptionsgefäß“. Tatsächlich bedeutet „Ren“ Empfängnis oder Schwangerschaft, auch Verpflichtung oder Verantwortung. Es kann auch bedeutet, dass man etwas vor dem Abdomen an- oder aufnimmt. Es reguliert die Menstruation und dominiert die Fortpflanzungsorgane sowie den Fötus. So gibt es zwei Ren Mai-Typen:

  1. Häufig jüngere Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch, die seelisch verkrampft und gefühlskalt sind. Sie erleben eine Stagnation in ihrer Sexualität, die bereits in jungen Jahren zu Tumorbildungen und Schleimhautwucherungen führen.
  2. Der zweite Typ sind ältere Frauen in den Wechseljahren. Sie sind empfindlich gegen feuchte Wärme, schwitzen stark und leiden unter trockenen Schleimhäuten. Eine vermehrte Warzenbildung ist auch eine häufige Begleiterscheinung, und es kann zur Ausbildung von Myomen oder Fibromen kommen.

Ren Mai: Symptome

Das Konzeptionsgefäß reguliert die Qi-Zirkulation der Brust, unterstützt die Funktion von Milz und Magen und dient allgemein der Stärkung des Körpers. Die Punkte auf dem Konzeptionsgefäß stehen meistens in Verbindung mit dem endokrinen und Fortpflanzungssystem. Akupunktur wird auf diesen Punkten angewendet z.B. bei Problemen und Schmerzen im Abdomen, Erbrechen, Durchfall aber auch Husten, Asthma oder Halsschmerzen sowie Beschwerden entlang des Meridians. Der Ren Mai steht auch in Verbindung mit den Augen und Lippen, da er den Mund und kleine Gefäße um das Zahnfleisch umkreist und durchzieht. Er vereint sich mit dem Lenkergefäß LG 28 (Du Mai – Du 28) an der sogenannten Elsternbrücke, dort wo die Zunge den Gaumen berührt. Er stärkt das Yin, entspannt die Brust, den Bauch und das Becken. Man fühlt sich leicht, vertrauensvoll und offen. Die Kreuzungspunkte des Ren Mai sind Ma 1, KG 28 und Lu 7.

Weitere Beschreibungen des Ren Mai

Funktionen:

Meer des Yin

Meer der 6 Yin-Meridiane

Ernährt den Fötus

Reguliert die Fertilität

Bewegt Qi und Blut im unteren, mittleren und oberen San Jao (Dreifacherwärmer)

Einflussareale:

Abdomen – Thorax – Lunge – Hals – Gesicht

Pathologien des Ren Mai:

Hormonelle Störungen aufgrund von fehlerhafter Qi-Zirkulation

Funktionsstörung der Yin-Organe

Yin-Mangel

Spontane Blutungen in der Schwangerschaft

Männlicher Behaarungstyp (auch Chong Mai)

Inkontinenz und Eierstockzysten

Klimakterium: Hitzewallungen, Nachtschweiß, Migräne, Konzentrationsmangel, Depression, Herzklopfen, Angina Pectoris, leberbedingtes Hautjucken im Bereich der Labien oder Leisten, Ödeme;

Sodbrennen, Aufstoßen, Übelkeit und Erbrechen

Asthma

Meditation und Qigong

Das Konzeptionsgefäß ist zusammen mit dem Lenkergefäß eines der wichtigsten Meridiane für Meditation und Qigong. Beim „himmlischen Kreislauf“ wandert die Energie das Konzeptionsgefäß hinauf und am Lenkergefäß (Du Mai) hinab. Indem die Zunge an den Gaumen gehalten wird, werden Ren Mai und Du Mai verbunden und der himmlische Kreislauf schließt sich.

Teil 2: Lenkergefäß (Du Mai) und die anderen 6 Sondermeridiane

Quellen:

Kaptchuk, Ted. J (1998): Das große Buch der chinesischen Medizin.

Die Medizin von Yin und Yang in Theorie und Praxis;

Erle Montaigue/Wally Simpson: The Encyclopedia of Dim-Mak – The Extra Meridians, Points and More

Barbara Kirschbaum: „Die 8 außerordentlichen Gefäße in der traditinellen chinesischen Medizin.“

Nicola Schlott: „Die Entstehung, Verlauf und Bedeutung der 8 Qi Jing Ba Mai

Wen Mei Yu: Chi Gung – Taoist Secrets of Fitness and Longevitiy

Schröpfen in der Chinesischen Medizin (Blog)

Der Begriff Schröpfen hat im Deutschen eine weniger schöne Bedeutung, und wenn man sich die Schröpftechnik in der Chinesischen Medizin anschaut, sieht diese im ersten Moment auch nicht sehr appetitlich anders.

Ein bekanntes chinesisches Sprichwort sagt allerdings:

„Mit Akupunktur und Schröpfen kann man mehr als die Hälfte an Erkrankungen behandeln“

Im Gegensatz zur Akupunktur ist das Schröpfen weniger verbreitet, obwohl diese Technik bereits vor 3000 Jahren z.B. zur Behandlung von Tuberkulose angewendet wurde. Sowohl in der östlichen als auch in der westlichen Kultur hat sich das Schröpfen aus der schamanischen Praxis entwickelt, da Schamanen der Meinung sind, dass Krankheiten und Gebrechen aus dem Körper herausgezogen werden können.

Nachdem chinesische und frühere sowjetische Akupunkteure die Methode erforscht und deren Effektivität bestätigt haben, wurde Schröpfen in den 1950er Jahren als offizielle Therapiemethode in chinesischen Krankenhäusern eingeführt. Eingesetzt wurde Schröpfen allerdings schon vorher zur Unterstützung in der traditionellen chinesischen Praxis. Die Methode wurde auch in vielen anderen Kulturen eingesetzt, vom antiken Ägypten über Griechenland bis hin zu Indien. Schröpfen hat in den letzten Jahren im Westen an Beliebtheit zugenommen. Sogar Berühmtheiten, wie Gwyneth Paltrow, Schwimmer Michael Phelps, und Schauspieler*innen der Serie „Friends“ haben die Vorteile dieser chinesischen Schröpfmethode ins öffentliche Bewusstsein gebracht.

Was ist Schröpfen?

Schröpfen in Europa ist eine Technik zur Ab- und Ausleitung im Bereich der Humoralpathologie (Krankheitslehre von den Körpersäften).

Die verschiedenen Techniken sind:

• Statisches Schröpfen, sog. „trockenes Schröpfen“
• Schröpfkopfmassage
• Blitz-Schröpfen
• Blutiges Schröpfen
• Nadelschröpfen
• Moxa-Schröpfen
• Wasser-Schröpfen
• Schröpfen mit maschinell-erzeugtem Unterdruck

Beim Schröpfen gibt es drei Varianten von Gläsern:

  1. Schröpfgläser: Glasholkugeln mit großer Öffnung
  2. Vakuumgefäße: Aus Glas oder klarsichtigem Plastik mit Gummiballon (mit oder ohne Ventil) oder einer Vakuumpumpe (optional mit Magnetstäben)
  3. Sonstige Gefäße: Becher aus Ton oder einfache Glasgefäße (z.B. Einmachglas), präparierte Segmente aus Bambusrohr oder Ziegenhörner (insb. im ländlichen Afrika)

Glasschröpfköpfe sind der Klassiker in der Chinesischen Medizin. Weitere Techniken zum Ausleiten neben Schröpfen sind Aderlass, Braunscheidtieren und die Blutegelbehandlung.

Wie funktioniert Schröpfen?

Beim Schröpfen wird auf bestimmten Bereichen der Körperoberfläche ein regional begrenztes Vakuum erzeugt. Dieses Vakuum entsteht durch Erwärmung der Luft im Glas. Platziert man das Glas auf dem Körperteil, wird die Haut vom Vakuum angezogen. Man unterscheidet zwischen leichtem, mittlerem und starkem Schröpfen, je nachdem, wie viel Druck erzeugt wird. Das Glas wird entfernt, indem man eine Seite anhebt und Luft hineinlässt.

Wie wirkt Schröpfen?

Aus bio-medizinischer Sicht hat das Schröpfen verschiedene Effekte:

1. Reaktion der Haut:

Die Haut wird gedehnt, entspannt und gerötet. Der Patient empfindet dies als wohltuende Wärme.

2. Mechanische Effekte:

Durch Verschiebung von Gewebe gegeneinander Auflösung von Verklebungen und pathologischer Crosslinks. Diese pathologischen Querverbindungen in Bindegewebe und Faszien entstehen aufgrund längerer Ruhigstellung anpassungsbedingt gebildeter, wasserunlöslicher, struktureller Veränderungen, die die Beweglichkeit deutlich einschränken.

3. Durchblutungssteigerung:

Viele hautstimulierende Therapien bilden lokale Hämatome und lösen diese wieder auf. Damit werden Unterbrechungen und Stauungen im Blutfluss aufgelöst und entzündliche Blutergüsse in den Gefäßen verhindert.

4. Effekte auf das Nervensystem:

Experimente an der Kobe Universität in Japan haben bestätigt, dass Schröpfen die sensorischen Nerven der Haut stimuliert. Die Behandlung des Rückens beispielsweise hat Auswirkungen auf das autonome Nervensystem sowie auf die verschiedenen Organe, die seiner Kontrolle unterstehen.

5. Effekte auf das Immunsystem:

Studien ergaben, dass durch Schröpfen die Funktion der Schweiß- und Talgdrüsen und die Nährstoffzufuhr in der Haut verbessert wurden. Über den vermehrten Schweiß werden Toxine ausgeschieden. Außerdem wird die Zahl der roten und weißen Blutkörperchen erhöht und saures Blut wird neutral oder alkalisch.

Weitere Wirkungen:

• Aktivierung des Stoffwechsels in der Zelle.
• Anregung des Zuflusses von roten und weißen Blutkörperchen
• Verbesserung der Mikrozirkulation von Blut, Lymphe und interstitiellen Flüssigkeiten
• Ableitung eines lokalen pathologischen Lymphstaus
• Reduzierung des Tonus der darunterliegenden Muskulatur

Vergleichbar mit einer Tiefenmassage wird die Blutzirkulation angeregt, Faszien und verbundenes Gewebe gelockert.

Die Sichtweise der Chinesischen Medizin

Ganz allgemein formuliert kann man sagen, dass Energieblockaden beseitigt und der Qi-Fluss wieder angeregt werden sollen:

• Aktivierung von Akupunkturpunkten
• Beeinflussung und Regulation von Organen und Funktionskreisen durch die spezifische Reizung eines Akupunkturpunktes
• Lösen lokaler Stagnationen und Schmerzen
• Aktivierung der Zirkulation von Qi und Blut in den Leitbahnen/Meridianen
• Ein lokales Fülle-Syndrom (Energiestau) wird reduziert.
• Ausleiten pathogener Faktoren, v. A. Wind, Kälte und Feuchte, z.B. bei Erkältungskrankheiten.
• Zur Ausleitung von trübem Blut (lokales Stechen)

Beim Schröpfen können je nach Intensität der Ansaugung und Menge der Energieblockaden Hämatome und oberflächliche Wunden entstehen. Gemäß der TCM ist dies ein wünschenswertes Ergebnis. Man geht davon aus, dass damit Gifte und Blockaden erfolgreich entfernt wurden. Deshalb kann aus TCM-Sicht das Schröpfen auch für diagnostische Zwecke verwendet werden.

Schröpfen zur TCM-Diagnose

Je nach Patient und Körperteil hinterlässt das Schröpfen unterschiedliche Schröpfmarkierungen, die sich unterschiedlich lang halten.

Starke Schröpfmarkierungen sind ein Zeichen von Blut- und Qi-Stau:

• Durch die Qi-Stagnation zirkuliert das Blut weniger und kommt langsamer bei den Kapillaren an
Wind-Kälte-Feuchtigkeit hindert einen guten Blutfluss. Ansammlung von Feuchtigkeit oder Schleim: das Blut zirkuliert dadurch weniger gut und staut sich an.
Blut-Hitze: das Blut ist „kochend“ und bereit auszufließen

Entsprechend der Stelle dieser Schröpfmarkierungen kann man Rückschlüsse vom betroffenen Hautsegment auf das entsprechende Organ ziehen. Bei einer Erkältung beispielsweise sind Markierungen auf dem Bereich der Lunge nach mehreren Tagen noch erkennbar. Bei einer Milz-Schwäche sind sie auf dem Bereich der Milz zu sehen.

Wenige Schröpfmarkierungen hingegen sind erkennbar bei:

Blut-Schwäche: das Blut ist nicht in der Lage, an den Extremitäten oder an der Oberfläche kraftvoll zu fließen
Qi-Schwäche: es ist weniger Blut in der Peripherie vorhanden, was sich in Hautblässe zeigt. Dies kann auch von einer chronischen Muskelverspannung kommen.
Feuchtigkeit auf den Schröpfgläsern ist oft ein Zeichen für innere oder äußere Ansammlung von Feuchtigkeit.

So kann man durch Beobachtung der Schröpfergebnisse wertvolle zusätzliche Informationen über innere Zustände erhalten.

Welche Nebenwirkungen gibt es beim Schröpfen?

• Bei unblutigem Schröpfen: Einblutungen ins Gewebe (Hämatome), die innerhalb von wenigen Tagen resorbiert werden.
• Bei blutigem Schröpfen können oberflächliche Wunden entstehen.
• Spannungsbläschen bei empfindlicher Haut
• Schröpfen im oberen Rücken: leichte Blutdrucksteigerung möglich.
• Schröpfen unterhalb LWK 4: leichte Blutdrucksenkung möglich.

Wann sollte Schröpfen nicht angewendet werden?

• Bei einer Schwangerschaft nicht auf Bauch oder Rücken
• Bei dermatologischen Geschwüren oder auf Ödemen
• Bei hohem Fieber mit Krampfneigung
• Bei bekannter Epilepsie
• Auf großen Arterien oder Venen
• Auf Narben
• Auf Zonen, die mit Tumoren verbunden sind
• Bei Lungentuberkulose

Blutiges Schröpfen sollte nicht angewendet werden bei: Hämophilie (Blutgerinnungsstörungen), Neoplasmen, niedrigem Blutdruck (Hypotonie), anämischen Zuständen, Menstruation, Flüssigkeitsdefiziten, Herzrhythmusstörungen, Koronarinsuffizienz, aber auch bei energetischen Mangelzuständen.

Anwendungsgebiete für das Schröpfen

Schröpfen kann sowohl zur Prävention, als Wellnessbehandlung und zur Leistungsoptimierung angewendet werden. In der Regel wird diese Technik bei konkreten Beschwerden bzw. Schmerzzuständen eingesetzt:

Muskulo-skeletale Schmerzsymptome (Knochen-Muskel-Zusammenspiel)
Hals- und Schulterschmerzen
Schultergelenksschmerzen
Ellenbogenschmerzen
Unterarm- u. Handgelenksschmerzen
Brustschmerzen / Schmerzen im oberen Brustbereich
Schmerzen im oberen Rücken
Schulterblattschmerzen
Schmerzen im unteren Rücken
Oberschenkelschmerzen
Knieschmerzen
Unterschenkelschmerzen
Fußgelenkschmerzen

Beschwerden in der Bauchgegend:
Blähbauch
Verdauungsbeschwerden (Verstopfung oder Durchfall)
Menstruationsbeschwerden
Fertilitätsbehandlung (Unfruchtbarkeit)
Menopausen-Symptome

Beschwerden in der Lunge oder Haut:
Asthma
Akne
Psoriasis
Allergien (saisonal)

Allgemeines Empfinden & Psyche:
Ängste & Stress
Müdigkeit
Schlaflosigkeit

Schröpfen vom Major Pectoralis Muskel ( Akupunkturpunkt Lu-1)

Das Schröpfen auch in der heutigen Zeit Beachtung geschenkt werden sollte, zeigt der Bericht von der Anästesie-ärztin Stephanie Chang aus New York. Ihre (Selbst)-behandlung bei den ersten Anzeichen einer Covid-19 Erkrankung beinhaltete das Schröpfen von dem Areal um den Akupunkturpunkt Lu-1.

Das Behandlungsprotokoll mit Akupunktur und dem gezielten Einsatz von Schröpfköpfen zeigt das praktische Kombinieren dieser beiden Techniken.

Quellen & Studien: Schröpfen

Stephanie I. Cheng: “Medical Acupuncture as a Treatment for Novel COVID-19-Related Respiratory Distress: Personal Experience from a Frontline Anesthesiologist”
Published Online:16 Feb 2021: https://doi.org/10.1089/acu.2020.1467

Claudia Focks (HG): Leitfaden Chinesische Medizin, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH; 6. Edition (2010)

Andere Blogbeiträge über das Schröpfen:

Schröpfen und Promis:

https://www.promiflash.de/news/2016/08/11/was-haben-jen-aniston-und-co-mit-schwimmer-phelps-gemeinsam.html

https://www.eonline.com/news/409206/5-celebrity-cupping-fans-jennifer-aniston-gwyneth-paltrow-and-more

Studien

Zwei Reviews (Aktualisierungsstudien) die einzelne Studienergebnisse sammeln und auswerten zeigen vor allem Fortschritte beim Studiendesign und der Ausführung. Hier geht es um Studie bei dernen Schröpfen zur Behandlung akuter u. chronischer Schmerzen evaluiert wurde.

Die Studie mit Edzard Ernst als Co-Autor (von 2011) kam zu dem Entschluss, dass trotz der positiven Ergebnisse, der wissenschaftliche Nachweis aufgrund des Studiendesigns und dem Verzerrungspotential (Bias) bei den Durchführungen sehr gering ist.

7 Einzelstudien wurden ausgewertet.
4 hatten ein hohes Risiko an Verzerrung der Ergebnisse.

Deswegen heißt es lapidar:

“Reliability of evidence is limited.”

Jong-In Kim, Myeong Soo Lee, Dong-Hyo Lee, Kate Boddy, Edzard Ernst, “Cupping for Treating Pain: A Systematic Review”, Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, vol. 2011, Article ID 467014, 7 pages, 2011. https://doi.org/10.1093/ecam/nep035

Die Studie mit Alan Bensoussan als Ko-author hatte einen größeren Umfang:

16 Studien (mit insgesamt 921 Teilnehmern)
6 Studien davon wurden unter der Kategorie „low-level bias of risk“ eingestuft.

Sixteen trials with 921 participants were eligible and included. Six trials were assessed as low risk of bias, another six trials were of unclear risk of bias, and the remaining four trials were of high risk of bias. Pain was related to three acute and seven chronic diseases.

Huijuan Cao and Xun Li and Xue Yan and Nissi S. Wang and Alan Bensoussan and Jianping Liu, “Cupping therapy for acute and chronic pain management: a systematic review of randomized clinical trials”,Journal of Traditional Chinese Medical Sciences,
Volume 1, Issue 1, 2014, pages 49-61. https://doi.org/10.1016/j.jtcms.2014.11.003

Die Studie kommt zu folgenden Ergebnissen:

  1. Positiver Effekt des Schröpfens gegenüber der Warteliste bzw. Wärme Therapie ist nachweisbar.
  2. Akupunktur und Schröpfen haben eine bessere Wirkung als nur Schröpfen

„Buddha-Bauch“ und die Rolle des Bauches in der TCM (Blog)

Hast du dich schon einmal gefragt, warum Buddha so einen großen Bauch hat? Oder warum schmale, Qigong praktizierende Chinesen einen vergleichsweise großen Bauch haben? Der Bauch ist ein zentraler Speicherort für Qi, für Lebensenergie.  Viele energetische und spirituelle Praktiken, wie Qigong, Yoga und Pranayama-Atemübungen, aber auch asiatische Kampfsporttechniken behandeln bzw. arbeiten mit dem sogenannten „Hara“, dem unteren Dan Tian (Dantian, Dantien). Der Dantien ist unterhalb des Nabels und stellt den Schwerpunkt des Körpers dar. Er ist auch der Ort, an dem überschüssiges Qi, z.B. nach dem Praktizieren ovn Qigong oder Taiji gespeichert wird. Daher der Buddha-Bauch. Im Daoismus wird der Dantian mit Vitalität, Energie und dem belebenden Geist assoziiert. Warum das so ist, wird anhand der Meridianpunkte, die in der Bauchgegend verlaufen, klar. Mehr dazu weiter unten. In der indischen Tradition sitzt dort das Nabel- und das Nabelnebenchakra, was dem Meridianpunkt Konzeptionsgefäß 6 entspricht. Betrachten wir nun die Rolle des Bauches aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin.

Der Bauch aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin

Der Bauch ist unterteilt in den Unteren Erwärmer und Mittlerer Erwärmer. Der untere Erwärmer sitzt unterhalb des Nabels und kontrolliert Niere, Blase, Leber, Dickdarm und Dünndarm. Zwischen Zwerchfell und Nabel liegt der Mittlere Erwärmer, zuständig für Magen, Milz und Gallenbase. Zwerchfell aufwärts regiert der Obere Erwärmer, der Brustkorb, Lunge und Herz reguliert. Die wichtigsten physiologischen Abläufe im Mittleren Erwärmer sind Verdauung und Transport der aufgenommenen Nahrung und Flüssigkeit, sowie das Reifen, Fermentieren und der Weitertransport der aus der Nahrung gewonnenen Nährstoffe in den Körper. So wird der Mittlere Erwärmer gerne mit einem brodelnden Kochtopf verglichen.

Dagegen ist der Untere Erwärmer zuständig für die Aufspaltung der Nahrungsessenzen in reine und unreine. Letztere werden ausgeschieden. Der Untere Erwärmer hat damit die Funktion eines Drainagesystems, da er auch die Harnausscheidung unterstützt.

Zusammen bilden sie den 3fach-Erwärmer, der als Meridian und Organ nach TCM-Definition bekannt ist. Man muss wissen, dass die in der TCM genannten Organe nichts mit dem physiologischen, anfaßbaren Organ zu tun haben. TCM-Organe haben keine Form, und stellen eher die Zusammenfassung physiologischer Funktionen, sogenannter Funktionskreise dar.  Wenn wir also von Leber- oder Magenmeridian lesen, dann sind damit nicht die physischen Organe gemeint.

Bauch und Akupunkturpunkte

In der Bauchregion finden wir die sogenannten Front-Mu-Punkte oder Alarmpunkte. Warum Alarm? Sie könnten Hinweise auf Störungen bei den zugehörigen Zang-Fu-Punkten geben, sofern sie auf Druck empfindlich reagieren. Die Front-Mu-Punkte liegen alle in der Mitte des Rumpfes bzw. seitlich davon.

Diese Akupunkturpunkte am Unterbauch können bei folgenden Beschwerden eingesetzt werden:

Magen 27 (Daju „Große Macht“), 2 Cun unterhalb des Nabels, unterstützt die Nieren, stabilisiert Essenz-Qi, reguliert und stärkt das Qi. Es wird eingesetzt bei Spannungs- und Völlegefühl im Unterbauch, Dysurie, Harnverhalt, Hernien oder Ejakulationsstörungen.

Ma 30 (Qichong „Ansturm des Qi“) stabilisiert die unteren Körperöffnungen und wird behandelt u.A. bei Schmerzen im Abdomen, Erkrankungen der äußeren Genitalien, Impotenz, Menstruationsstörungen oder Sterilität. Ma 30 ist zudem ein wichtiger Kreuzungspunkt mit dem Chong Mai, der sich aus fünf verschiedenen Energiebahnen zusammensetzt.

Akupunkturpunkte, um Schwächezustände zu behandeln:

Ren 6 (Qihai „Meer des Qi“) sitzt auf dem Sondermeridian Ren Mai oder Konzeptionsgefäß (KG), der in der Körpermitte von unten nach oben verläuft. Er startet im Perineum und endet unterhalb der Unterlippe. Beim Ren 6 sitzt auch das oben erwähnte untere Dantien. Deshalb wird dieser Punkt in der Akupunktur auch bei Qi-Mangel verwendet. Ren 6 stärkt das Yang, tonisiert, reguliert und zirkuliert Qi im ganzen Körper und beseitigt Qi-Stagnationen. Die Relevanz dieses Meridianpunktes zeigt sich auch an der Vielfalt der Indikationen: von Schmerzen im Unterbauch, die durch Kälte verschlimmert werden; starke Erschöpfungszustände, Antriebslosigkeit, mangelnde Willenskraft, mentale Schwäche, Depression, Kälte der Extremitäten, unregelmäßige oder schmerzhafte Menstruation (Dysmenorrhö), Fluor vaginalis, Sterilität, Impotenz, Senkungen oder Erkrankungen der Beckenorgane, chronische Diarrhö (Durchfall), Obstipation, also träge Verdauung oder Verstopfung, und Meteorismus, also Blähbauch oder Blähsucht.

Wie kann es sein, dass ein Punkt im Bauch sich auf die Psyche und den mentalen Zustand auswirkt, die man ja eher im Kopf verortet? Hier hilft ein Blick zur Schulmedizin und dem Vagus-Nerv. Der Vagusnerv ist ein sehr langer Hirnnerv, der vom Hirnstamm durch den Brustbereich entlang der Luftröhre bis in den Bauchraum reicht. Mit seinen insgesamt ca. 100.000 einzelnen Nervenfasern durchzieht er jedes Organ und leitet auch Informationen der inneren Organe an das Gehirn weiter. Somit hat er auch Einfluss auf unsere kognitiven Leistungen. Vielleicht wird jetzt klar, warum Ren 6 auch im medizinischen Qigong und asiatischen Meditationstechniken eine zentrale Rolle spielt.

Ren Mai, der an der Vorderseite in der Körpermitte entlangläuft, hat einen Partner: den Du Mai, auch bekannt als Lenkergefäß oder Gouverneursgefäß, der auf der Rückseite des Körpers entlang der Wirbelsäule verläuft. So können z.B. Rückenschmerzen auch über den Bauch bzw. Ren Mai behandelt werden.

Dai Mai – Gürtelgefäß

Der Dai Mai läuft um die Taille wie ein Gürtel und beinhaltet die Meridianpunkte Leber 13, Gallenblase Gb 28 und Gb 41 sowie Perikard 5. Der Dai Mai verbindet die obere mit der unteren Körperhälfte. Er beseitigt Fülle von Gallenblase und Leber. Außerdem kontrolliert er wie ein Gürtel den Energiefluss der Bein-Meridiane. Indikationen sind u.A.. Migräne und Kopfschmerzen, besonders an den Schläfen, starke innere Anspannung und Gereiztheit; angespannte Schulter-/Nackenmuskulatur, Herpes Zoster, Zystitis und Atemprobleme inkl. Asthma.

Tuina – die manuelle Therapie – und der Bauch

Tuina ist eine chinesische Massageform (Akupressur) und neben Akupunktur, Phytotherapie und Qigong die vierte Säule der Traditionellen Chinesischen Medizin. Für die Behandlung mit Tuina gibt es konkrete Skripte für die Behandlung bei:

  • Allgemeinen Schwächezuständen
  • Rekonvaleszenz / Burnout
  • Verdauungsbeschwerden
  • Menstruationsbeschwerden

Auch bei komplexen Erkrankungen wird der Bauch als „Vitalitätszentrale“ zur Stärkung mitbehandelt, z.B. bei

  • Diabetes
  • Systemischen neurologischen Erkrankungen (Parkinson)
  • Angststörungen
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten / Allergien
  • Bauch und Unterbauch immer mitbehandeln bei:
  • Fertilität (männlich u. weiblich)
  • Gynäkologischen Beschwerden (Endometriose, PCOS)

Wenn Sie Fragen haben oder eines der o.g. Beschwerden behandelt haben möchten, vereinbaren Sie gerne einen Termin.

Der HP als Garant im Markt der Therapien (Blog)

In der Diskussion über die anstehende Ergänzung des Heilpraktikerrechts und der Veröffentlichung der neuen Leitlinien bis spätestens zum 31.12.2017, wird durch die Publizierung einer Streitschrift von 17 Professoren u. Akademikern (teilweise auch Ärzten, aber keinen Heilpraktikern) mit Logo und dem public-relations fördernden Kunstnamen “Münsteraner Kreis”, die Abschaffung des Heilpraktikers gefordert bzw. eine grundlegende Reform, welche dann nur sektorale Zulassungen erlaubt.

Gefordert werden auch von Heilpraktikeranwärtern ein vorher abgeschlossenes Studium bzw. eine staatlich-geprüfte Berufsausbildung im Gesundheitssektor.

Gutachten zur Situation des Heilpraktikers: Die Basis für eine konstruktive Auseinandersetzung mit dem Thema

Um der Diskussion den richtigen Rahmen zu geben, empfehle ich vor der Lektüre der Streitschrift das Gutachten von Rechtsanwalt Dr. Rene Sasse. Er beschreibt in kurzer Form:

  • die Rechten u. Pflichten von Heilpraktikern (HP).
  • warum bei so vielen verschiedene Berufen und Gesundheitsdienstleistern, die HP Erlaubnis als Grundlage zur Berufsausübung nötig ist.
  • die Vorteile und politischen Hintergründe, warum die verschiedenen Therapien, die von Heilpraktikern angeboten werden, nicht staatlich kontrolliert werden.

Dazu muss festgehalten werden:

Heilpraktiker praktizieren schon heute unter den gleichen rechtlichen Anforderungen wie Ärzte in Bezug auf Hygiene, Patientendokumentation, Patientenaufklärung, Patientenkommunikation und Praxiseinrichtungskontrolle durch die Gesundheitsämter.

Anmerkungen zum “Herz OP”-Argument

Die Wahl der Therapie bei Heilpraktikern ist durch die Verbote im Heilpraktikergesetz klar eingeschränkt. Der Heilpraktiker hat wie der Arzt eine Sorgfaltspflicht. Das Argument, daß dem HP eine Herz OP erlaubt ist, solange er einen Anästhesiearzt hinzuzieht, ist ein alter (und falscher) Hut.

Der Heilpraktiker und auch der Arzt haben die Pflicht, nur Therapien anzubieten und auszuführen, für die sie ausreichende Kenntnisse und Fähigkeiten besitzen. Für den HP der eine Herz OP anbieten will, heißt dies quasi das Absolvieren eines Medizinstudiums. Eine persönlich erforderliche Investition, die sich vom zeitlichen und finanziellen Aufwand schon verbietet.

Auch aus wirtschaftlicher Sicht ist diese Argument an den Haaren herbeigezogen. Es gibt keinen Markt für einen Heilpraktiker, der eine Herz OP anbieten möchte.

“It’s innovation, stupid” – Der HP hilft mit der neuen Flut an Therapiemöglichkeiten umzugehen

Der HP hat in Europa eine einzigartige Stellung, die dem deutschen Gesundheitsmarkt hilft, das Angebot von medizinischen Dienstleistungen über die Arbeitserlaubnis zu regeln.

Dies verhindert schon jetzt einen Wildwuchs aus quasi-medizinischen Dienstleistungen von unterschiedlichen Firmen und Freiberuflern, welche die Grenzen von Diagnose u. Therapie verwischen.

Der Markt für diese Dienstleistungen und das Angebot an Therapien (und aus Marketinggründen unterschiedlich beworbener Angebote) wird in Zukunft noch schneller wachsen.

Mit der Abschaffung des HPs wird dieser prosperierende Markt in einer Grauzone weiter wachsen. Das Heilprakitkergesetz, wie es jetzt steht, wird helfen diese Flut an Therapien in einem rechtlich gesicherten Rahmen, den Patienten zugänglich zu machen.

Die Ärzteschaft bzw. der Gesundheitsektor hat gar nicht die Personalresourcen für die Masse an neuen Therapieformen.

Genauso wie in den letzten Jahren Kosmetiker/innen die HP Erlaubnis nutzen, um Laserentfernung von Tätowierungen oder eine kosmetische Behandlung mit rezept-freien Injektionen anzubieten, werden sich weitere Geschäftsfelder auftun.

Der Verteuerungstrend von Therapien – Nutzen & Kosten volkswirtschaftlich betrachtet

Mit der Forderung, daß ein (konventioneller) Gesundheitsberuf wie Krankenschwester, Physiotherapeut oder Masseur als Grundlage für die HP Erlaubnis da sein muss, werden von diesen etablierten Berufsfeldern Kandidaten abwandern. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist das eine Resourcenverschwendung. Denn das jetzige Verfahren garantiert ein ausreichendes Grundlagenwissen zum Zeitpunkt der Prüfung, welches dem HP dann erlaubt in die Weiterbildung für das gewünschte Therapieangebot Zeit und Geld zu investieren.

Mehr Vorbedingungen bedeuten das Anhäufen von kostspieligen Doppelqualifikationen, die dann bei der eigentlichen Ausführung der Behandlung keine Rolle mehr spielen. Die Kosten dieser Doppelqualifikation führen nicht zu einer besseren Behandlung bzw. sicheren Therapieanwendung, sondern eher zu einem Anstieg der Preise, die Patienten und bei krankenkassen-finanzierten Angeboten die Gemeinschaft der Mitglieder für eine Therapiestunde bezahlen müssen.

Die Forderung nach immer höheren Qualifikationen für Therapien, die sich seit Jahrhunderten bewehrt haben, und ganz konkret bei Therapien wie der Akupunktur, wo z.B. ein konventionelles Medizinstudium ein zuviel an nicht-ausführungsrelevanten Wissen bedeutet, verteuern den Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen wie Chinesische Medizin.

Schlussendlich sind, um das am Beispiel der Akupunktur festzumachen, das Wissen über die Theorie der Chinesischen Medizin, das praktische Training und die dann über Jahre eigenständig erarbeitete klinische Erfahrung ausschlaggebend und nicht der auch aus volkswirtschaftlicher Sicht teure Medizinstudiengang des Behandlers.

Klinische Erfahrung heisst nämlich hier die Erfahrung in der Behandlung mit Akupunktur und nicht die Erfahrung mit der Behandlung durch pharmazie-gestützte Medizin.

Der Gegenvorschlag: Zentrales Register aller Einverständniserklärungen der Patienten

Wenn die Ärzteschaft sich Gedanken über die Unvereinbarkeit oder ein erhöhtes Riskio von Therapien macht, dann ist es sinnvoller, ein zentrales Register für Einverständniserklärungen zu fordern.

In diesem Register sollten für jeden Patienten, seine jeweilige Einverständnis und deren Aufklärungsbogen registriert werden. Damit lässt sich dann – mit Einverständnis des Patienten – ersehen, welche Therapien wann und wo eingesetzt wurden.

Dieses Register sollte alle Einverständniserklärungen sammeln irrespektive ob von Ärzten, Heilpraktikern oder anderen Gesundheitsdienstleistern, bei denen eine schriftliche Einverständnis zu Grunde liegen muss.

Das Register musss alle Therapiearten beinhalten. Ob ärztlich angeboten, evidenz-basiert, naturheilkundlich oder spirituell sowie auch solche, die als “esoterische” Behandlungen gelten.

Erst mit so einem Register kann die Ärzteschaft in vollem Umfang ermessen, welche weitere evidenz-basierte Zuwendung oder Beratung für den Patienten von Vorteil ist.

Ein Zusatzeffekt: Neu auf den Markt kommende Therapien können nun besser beobachtet werden. Falls dann Regulierungsbedarf besteht, hat man eine Grundlage, wie viele Patienten und Anbieter es betrifft.

Quellen:
Kurzgutachen von RA Dr. Rene Sasse über die Situaton des HPs
Die Streitschrift des Münsteraner Kreises

 

Ein Akupunkturprotokoll für Schmerzen nach Zahnimplantate OP (Blog)

Hier ist ein Behandlungsprotokoll von einem Fallstudie in dem Journal of Acupuncture and Meridian Studies  über eine 56 jährige Patientin, die nach einer Zahnimplantation der Zähne 36 und 37 Schmerzen und Taubheit im Unterkiefer bekam.

Die Region der Taubheit ging von der Unterlippe bis auf Höhe von Zahn 36. Der Schmerz befand sich in der Region des Zahnes 35 (der Einstichstelle für die Betäubung).

Lokale und ferne Akupunkturpunkte für Schmerzen nach einer Implantations OP

Die Patientin bekam 1 x wöchentlich über 4 Monate (insgesamt 16 Behandlungen).

Folgende Punkte wurden genadelt:
Di 4, Di 11, Ma 36, Le 3, Ma 5 und EHN 18 (Extrapunkt 1 Cun von Ren 24)

  • Di 4 und Di 11 wurden für ihre entzündungshemmende Wirkung auf das Gesicht gewählt.
  • Ma 36 wurde aus konstitutionellen Gründen gewählt.
  • Le3 hat eine Fernwirkung auf den Kopf.
  • Ma 5 und EHN 18 sind lokale Punkte.

Reduzierung der Schmerzen, der Taubheitsgefühle und der Taubheitsregion mit Akupunktur

Die Schmerzen waren um 50% nach der ersten Sitzung zurückgegangen und nach der 5 Sitzung ganz beseitigt.

Die Taubheitsgefühle liessen sich nach der ersten Sitzung um 70% reduzieren, nach der 13. Sitzung waren sie um 95% reduziert.

Nach der 10. Behandlung hatte sich der Taubheitsbereich stark verkleinert. Der verkleinerte Bereich veränderte sich dann nicht mehr und war auch beim Checkup nach 12 Monaten noch vorhanden.

Quelle: Crischina Branco Marques Sant’Anna’ et.a.: Effect of Acupuncture on Post-implant Paresthesia: JAMS April 2017 Volume 10, Issue 2, Pages 131–134

Open Access:
DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.jams.2017.01.004
Direkter Link

Ein Behandlungsprotokoll mit Akupunktur und Moxa bei Reizdarmsyndrom mit Durchfällen (IBS-D, ICD-10 K58.0) – (Blog)

Dieser Vorschlag eines Behandlungsprotokolls wurde nach den STRICTA Richtlinien erstellt und ist somit um einiges präziser als viele andere Studien in Bezug auf die Akupunkturtechnik. Die STRICTA Empfehlungen verlangen genaue Angaben in Bezug auf die Ausführung der Akupunktur: Welche Nadeln, welche Technik, Reihenfolge des Nadelns, Verweildauer etc.

Die Daegfa hat damals (2001) die Tabellen übersetzt und kommentiert. Inzwischen (seit 2010) ist STRICTA nun eine offizielle Ergänzungen zu CONSORT, den allgemeinen Richtlinien für die Berichterstattung bei randomisierten, kontrollierten Studien / Versuchen.

Offizielle STRICTA Übersetzungen gibt es ins Chinesische, Koreanische und Russische.

Allgemeines zum Behandlungsprotokoll für das Reizdarmsysndrom (RDS)

Die Versuchsreihe für das vorgeschlagene Protokoll beinhaltet 3 Gruppen:

  1. Ein festglegtes Protokoll von 14 Nadeln
  2. Eine Basisbehandlung mit 2 zusätzlich auswählbaren Punkten (max 14 Nadeln)
  3. Sham Akupunktur: Nadelstichtiefe nur 2 bis 3 mm unter die Haut und Punkt in abgestimmter Entfernung zu den eigentlichen Akupunkturpunkten

NB. Wichtig bei der Sham Akupunktur zu erwähnen ist, dass Stephen Birch klar herausgearbeitet hat, dass Sham Akupunktur kein Placebo darstellt, und dass somit in solchen Versuchsreihen einfach 2 unterschiedliche Akupunkturstile verglichen werden.

Alle Patienten wurden 12 x behandelt:

  • 2 x die Woche über 4 Wochen danach 1 x die Woche über 4 Wochen
  • Die Behandler entschieden nach ihrem Ermessen welchen Punkte tonisierend und welche ausleitend genadelt wurden.

NB. In der Veröffentlichung vertauschen die Autoren, die Atemtechnik beim tonisierenden und ausleitenden Nadeln. Standard TCM Lehrbücher über Nadeltechnik berichten übereinstimmend. Der Patient sollte beim tonisierenden Nadeln ausatmen, wenn die Nadel gestochen wird und einatmen beim rausziehen. Das Atmen beim ausleitenden Nadel erfolgt in umgekehrter Reihenfolge.

Die Stichtiefe bei der Verum Akupunktur ist nicht angegeben, sollte aber den Standard TCM Textbüchern entsprechen (0.5 bis 1.5 Cun).

Patienten werden zuerst auf dem Rücken liegend genadelt. Nach 15 Minuten werden die Nadeln gezogen und dann erfolgt die Moxibustion mit bis zu 2 Minuten und im Uhrzeigersinn kreisend pro Punkt . Die Entfernung der Moxazigarre von der Haut ist mit 2 bis 3 cm angeben.

Für die Rückenpunkte wird der Patient dann in Bauchposition genadelt und gemoxt.

Standard Behandlungsprotokoll beim Reizdarmsyndrom mit Durchfall

Ren 6, Ren 12, Ma 25, Mi 4, Bl 18, Bl 20, Bl 23, Bl 25 mit Akupunktur und Moxibustion

Mi 4 und Bl 18 nur Akupunktur

Das individualisierte Behandlungsprotokoll

Ren 6, Ren 12, Ma 25, Bl 23, Bl 25 + mindesten 2 bis 6 weitere Punkten aus der Liste, die zur Behandlung der folgenden TCM Syndrome hinzugenommen werden:

    • Milz und Mage Qi Leere
    • Milz Qi Leere mit Feuchtigkeit
    • Milz Yang Leere
    • Nieren Yang Leere
    • Leber Qi Stagnation
    • Eingeschlossene kalte Feuchtigkeit
    • Eingeschlossene feuchte Hitze
    • Verdauungsträgheit (Retention of food)

Die dazugehörigen Punkte sind in Tabelle 1 angegeben.

Sham Akupunktur / Sham Moxa Protokoll

Die Punkte für die Sham Akupunktur liegen 2 bis 3 cm entfernt von den echten Punkten und befinden sich nicht auf einer Leitbahn.

Zur Sham Moxibustion wird die Moxazigarre 20 cm über den Körper und die Sham Punkte gehalten.

Quellen:

Anastasi, Joyce K. et al. Development of Acupuncture and Moxibustion Protocol in a Clinical Trial for Irritable Bowel Syndrome Journal of Acupuncture and Meridian Studies , Volume 10 , Issue 1 , 62 – 66   Direkter Link

MacPherson H, Altman DG, Hammerschlag R, Youping L, Taixiang W, White A, Moher D. Revised STandards for Reporting Interventions in Clinical Trials of Acupuncture (STRICTA): Extending the CONSORT Statement. PLoS Med 2010; 7(6): e1000261. doi:10.1371/journal.pmed.1000261    Direkter Link

CONSORT Guidelines:  Direkter Link

Der Eintrag auf der DÄGFA Webseite:  Direkter Link

Bücher:

Prof. Chang Xiaorong: Needling Techniques for Acupuncturists, Singing Dragon, 2011

Liu Yuan: Nadelstichtechniken in der Akupunktur, Urban & Fischer, 2006

Ein Akupunktur- und Tuina-protokoll zur Behandlung von Regelschmerzen – Dysmenorrhoe (Blog)

Hier ein Beispiel an Behandlungsprokollen für die Behandlung von Zyklusbeschwerden bei derAkupunktur (nach der TCM) und Tuina kombiniert worden sind.

Die 60 Teilnehmmerinnen an der Studien waren Frauen im Alter von 14 bis 29 Jahren (Durchschnittsalter 21 Jahre u. 5 Monate)

Vorweg sei zu sagen, daß diese Veröffentlichung (für den englischsprachigen Raum) viele Informationen weglässt und aus Sicht der wissenschaftlichen Forschung zu den (chinesischen) Publikationen gehört, die stark kritisiert werden.

Folgende Merkmale wiegen zunächst negativ:

  • Beteiligung von minderjährigen Patientinnen
  • Sehr hohe Erfolgsraten in der Testgruppe, sowie der Kontrollgruppe
  • Veröffentlichung entspricht nicht den heutigen (2017) Maßtäben der wissenschaftlichen Berichterstattung von Studien

Doch wenden wir uns nun den eigentlichen Roh-diamanten zu dem Behandlungsprotokoll:

Akupunktur u. Tuina der Testgruppe

Benutzte Akupunkturpunkte waren zunächst: Bl40, Du26, Du3.

Zusätzliche wurden die Patientinnen drei unterschiedliche TCM Syndrommustern zugeordnet:

  1. Mit Qi Stagnation und Blut Stase: Ren3, Ren6, Mi6, Le2 und Mi 10
  2. Stagnation durch pathogene Kälte: Ren4, Bl20, Bl23
  3. Leere von der Zang Leber und Niere:  Du4, Ren4, Bl23,Ni12 und Ma36

Das Tuina Behandlungsprotokoll

Auf dem Bauch liegend:

3 Min Gun Fa zur Entspannung der paravertebralen Muskulatur
3 Min Yi Zhe Chang um die innere Blasenleitbahn zu behandeln

Auf der Seite liegend mit 90 Grad angewinkelten Beinen:

An Rou mit dem Ellbogen von der oberen Schulterblatthälfte entlang über die Ansätze der 12 Rippe an der Wirbelsäule.

Folgende Stellen wurden behandelt: T3,5,7,9 und L1,3,5 jeweils 2 Cun über den Wirbelfortsätzen.

Die Druckkraft sollte noch von der Patientin tolerierbar gewesen sein. Jeder Punkt wurde 30 mal behandelt und dann kam ein zweiter Durchgang. Beide Seiten links und rechts der Wirbelsäule wurden behandelt.

Dann wieder auf dem Bauch liegend:

Nie mit dem Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger auf der Wirbelsäule (in der Studie fehlt die Anweisung ob dieser Handgriff parallel oder im 180 Grad Winkel zur WS angewandt wird).

Behandlung des unteren Rücken:

Tan Bo und Tui im unteren Lendelwirbelbereich

Akupunktur für die Kontrollgruppe

Akupunktur: Ren6, Mi8, Mi6
Moxibustion: Ren4, Ma36, Bl20 und Bl23

Die Behandlungsdauer lief über 3 Monate mit jeweils 7 aufeinanderfolgenden Behandlung pro Monat. Die erste Behandlung erfolgte 1 Woche vor Eintreten der Menstruation.

Kommentar: Die Umschreibungen im Englischen sind aufgrund der Übersetzung vom Chinesischen ins Englische bzw. aufgrund der Englishkenntnisse der Autoren nicht eindeutig einigen Techniken zuzuordnen.  Hier habe ich den aus meiner Sicht dazupassenden technischen Begriff gewählt.

Quelle: J Tradit Chin Med. 2008 Mar;28(1):7-9.
Acupuncture combined with spinal tui na for treatment of primary dysmenorrhea in 30 cases.

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