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Schröpfen in der Chinesischen Medizin (Blog)

Der Begriff Schröpfen hat im Deutschen eine weniger schöne Bedeutung, und wenn man sich die Schröpftechnik in der Chinesischen Medizin anschaut, sieht diese im ersten Moment auch nicht sehr appetitlich anders.

Ein bekanntes chinesisches Sprichwort sagt allerdings:

„Mit Akupunktur und Schröpfen kann man mehr als die Hälfte an Erkrankungen behandeln“

Im Gegensatz zur Akupunktur ist das Schröpfen weniger verbreitet, obwohl diese Technik bereits vor 3000 Jahren z.B. zur Behandlung von Tuberkulose angewendet wurde. Sowohl in der östlichen als auch in der westlichen Kultur hat sich das Schröpfen aus der schamanischen Praxis entwickelt, da Schamanen der Meinung sind, dass Krankheiten und Gebrechen aus dem Körper herausgezogen werden können.

Nachdem chinesische und frühere sowjetische Akupunkteure die Methode erforscht und deren Effektivität bestätigt haben, wurde Schröpfen in den 1950er Jahren als offizielle Therapiemethode in chinesischen Krankenhäusern eingeführt. Eingesetzt wurde Schröpfen allerdings schon vorher zur Unterstützung in der traditionellen chinesischen Praxis. Die Methode wurde auch in vielen anderen Kulturen eingesetzt, vom antiken Ägypten über Griechenland bis hin zu Indien. Schröpfen hat in den letzten Jahren im Westen an Beliebtheit zugenommen. Sogar Berühmtheiten, wie Gwyneth Paltrow, Schwimmer Michael Phelps, und Schauspieler*innen der Serie „Friends“ haben die Vorteile dieser chinesischen Schröpfmethode ins öffentliche Bewusstsein gebracht.

Was ist Schröpfen?

Schröpfen in Europa ist eine Technik zur Ab- und Ausleitung im Bereich der Humoralpathologie (Krankheitslehre von den Körpersäften).

Die verschiedenen Techniken sind:

• Statisches Schröpfen, sog. „trockenes Schröpfen“
• Schröpfkopfmassage
• Blitz-Schröpfen
• Blutiges Schröpfen
• Nadelschröpfen
• Moxa-Schröpfen
• Wasser-Schröpfen
• Schröpfen mit maschinell-erzeugtem Unterdruck

Beim Schröpfen gibt es drei Varianten von Gläsern:

  1. Schröpfgläser: Glasholkugeln mit großer Öffnung
  2. Vakuumgefäße: Aus Glas oder klarsichtigem Plastik mit Gummiballon (mit oder ohne Ventil) oder einer Vakuumpumpe (optional mit Magnetstäben)
  3. Sonstige Gefäße: Becher aus Ton oder einfache Glasgefäße (z.B. Einmachglas), präparierte Segmente aus Bambusrohr oder Ziegenhörner (insb. im ländlichen Afrika)

Glasschröpfköpfe sind der Klassiker in der Chinesischen Medizin. Weitere Techniken zum Ausleiten neben Schröpfen sind Aderlass, Braunscheidtieren und die Blutegelbehandlung.

Wie funktioniert Schröpfen?

Beim Schröpfen wird auf bestimmten Bereichen der Körperoberfläche ein regional begrenztes Vakuum erzeugt. Dieses Vakuum entsteht durch Erwärmung der Luft im Glas. Platziert man das Glas auf dem Körperteil, wird die Haut vom Vakuum angezogen. Man unterscheidet zwischen leichtem, mittlerem und starkem Schröpfen, je nachdem, wie viel Druck erzeugt wird. Das Glas wird entfernt, indem man eine Seite anhebt und Luft hineinlässt.

Wie wirkt Schröpfen?

Aus bio-medizinischer Sicht hat das Schröpfen verschiedene Effekte:

1. Reaktion der Haut:

Die Haut wird gedehnt, entspannt und gerötet. Der Patient empfindet dies als wohltuende Wärme.

2. Mechanische Effekte:

Durch Verschiebung von Gewebe gegeneinander Auflösung von Verklebungen und pathologischer Crosslinks. Diese pathologischen Querverbindungen in Bindegewebe und Faszien entstehen aufgrund längerer Ruhigstellung anpassungsbedingt gebildeter, wasserunlöslicher, struktureller Veränderungen, die die Beweglichkeit deutlich einschränken.

3. Durchblutungssteigerung:

Viele hautstimulierende Therapien bilden lokale Hämatome und lösen diese wieder auf. Damit werden Unterbrechungen und Stauungen im Blutfluss aufgelöst und entzündliche Blutergüsse in den Gefäßen verhindert.

4. Effekte auf das Nervensystem:

Experimente an der Kobe Universität in Japan haben bestätigt, dass Schröpfen die sensorischen Nerven der Haut stimuliert. Die Behandlung des Rückens beispielsweise hat Auswirkungen auf das autonome Nervensystem sowie auf die verschiedenen Organe, die seiner Kontrolle unterstehen.

5. Effekte auf das Immunsystem:

Studien ergaben, dass durch Schröpfen die Funktion der Schweiß- und Talgdrüsen und die Nährstoffzufuhr in der Haut verbessert wurden. Über den vermehrten Schweiß werden Toxine ausgeschieden. Außerdem wird die Zahl der roten und weißen Blutkörperchen erhöht und saures Blut wird neutral oder alkalisch.

Weitere Wirkungen:

• Aktivierung des Stoffwechsels in der Zelle.
• Anregung des Zuflusses von roten und weißen Blutkörperchen
• Verbesserung der Mikrozirkulation von Blut, Lymphe und interstitiellen Flüssigkeiten
• Ableitung eines lokalen pathologischen Lymphstaus
• Reduzierung des Tonus der darunterliegenden Muskulatur

Vergleichbar mit einer Tiefenmassage wird die Blutzirkulation angeregt, Faszien und verbundenes Gewebe gelockert.

Die Sichtweise der Chinesischen Medizin

Ganz allgemein formuliert kann man sagen, dass Energieblockaden beseitigt und der Qi-Fluss wieder angeregt werden sollen:

• Aktivierung von Akupunkturpunkten
• Beeinflussung und Regulation von Organen und Funktionskreisen durch die spezifische Reizung eines Akupunkturpunktes
• Lösen lokaler Stagnationen und Schmerzen
• Aktivierung der Zirkulation von Qi und Blut in den Leitbahnen/Meridianen
• Ein lokales Fülle-Syndrom (Energiestau) wird reduziert.
• Ausleiten pathogener Faktoren, v. A. Wind, Kälte und Feuchte, z.B. bei Erkältungskrankheiten.
• Zur Ausleitung von trübem Blut (lokales Stechen)

Beim Schröpfen können je nach Intensität der Ansaugung und Menge der Energieblockaden Hämatome und oberflächliche Wunden entstehen. Gemäß der TCM ist dies ein wünschenswertes Ergebnis. Man geht davon aus, dass damit Gifte und Blockaden erfolgreich entfernt wurden. Deshalb kann aus TCM-Sicht das Schröpfen auch für diagnostische Zwecke verwendet werden.

Schröpfen zur TCM-Diagnose

Je nach Patient und Körperteil hinterlässt das Schröpfen unterschiedliche Schröpfmarkierungen, die sich unterschiedlich lang halten.

Starke Schröpfmarkierungen sind ein Zeichen von Blut- und Qi-Stau:

• Durch die Qi-Stagnation zirkuliert das Blut weniger und kommt langsamer bei den Kapillaren an
Wind-Kälte-Feuchtigkeit hindert einen guten Blutfluss. Ansammlung von Feuchtigkeit oder Schleim: das Blut zirkuliert dadurch weniger gut und staut sich an.
Blut-Hitze: das Blut ist „kochend“ und bereit auszufließen

Entsprechend der Stelle dieser Schröpfmarkierungen kann man Rückschlüsse vom betroffenen Hautsegment auf das entsprechende Organ ziehen. Bei einer Erkältung beispielsweise sind Markierungen auf dem Bereich der Lunge nach mehreren Tagen noch erkennbar. Bei einer Milz-Schwäche sind sie auf dem Bereich der Milz zu sehen.

Wenige Schröpfmarkierungen hingegen sind erkennbar bei:

Blut-Schwäche: das Blut ist nicht in der Lage, an den Extremitäten oder an der Oberfläche kraftvoll zu fließen
Qi-Schwäche: es ist weniger Blut in der Peripherie vorhanden, was sich in Hautblässe zeigt. Dies kann auch von einer chronischen Muskelverspannung kommen.
Feuchtigkeit auf den Schröpfgläsern ist oft ein Zeichen für innere oder äußere Ansammlung von Feuchtigkeit.

So kann man durch Beobachtung der Schröpfergebnisse wertvolle zusätzliche Informationen über innere Zustände erhalten.

Welche Nebenwirkungen gibt es beim Schröpfen?

• Bei unblutigem Schröpfen: Einblutungen ins Gewebe (Hämatome), die innerhalb von wenigen Tagen resorbiert werden.
• Bei blutigem Schröpfen können oberflächliche Wunden entstehen.
• Spannungsbläschen bei empfindlicher Haut
• Schröpfen im oberen Rücken: leichte Blutdrucksteigerung möglich.
• Schröpfen unterhalb LWK 4: leichte Blutdrucksenkung möglich.

Wann sollte Schröpfen nicht angewendet werden?

• Bei einer Schwangerschaft nicht auf Bauch oder Rücken
• Bei dermatologischen Geschwüren oder auf Ödemen
• Bei hohem Fieber mit Krampfneigung
• Bei bekannter Epilepsie
• Auf großen Arterien oder Venen
• Auf Narben
• Auf Zonen, die mit Tumoren verbunden sind
• Bei Lungentuberkulose

Blutiges Schröpfen sollte nicht angewendet werden bei: Hämophilie (Blutgerinnungsstörungen), Neoplasmen, niedrigem Blutdruck (Hypotonie), anämischen Zuständen, Menstruation, Flüssigkeitsdefiziten, Herzrhythmusstörungen, Koronarinsuffizienz, aber auch bei energetischen Mangelzuständen.

Anwendungsgebiete für das Schröpfen

Schröpfen kann sowohl zur Prävention, als Wellnessbehandlung und zur Leistungsoptimierung angewendet werden. In der Regel wird diese Technik bei konkreten Beschwerden bzw. Schmerzzuständen eingesetzt:

Muskulo-skeletale Schmerzsymptome (Knochen-Muskel-Zusammenspiel)
Hals- und Schulterschmerzen
Schultergelenksschmerzen
Ellenbogenschmerzen
Unterarm- u. Handgelenksschmerzen
Brustschmerzen / Schmerzen im oberen Brustbereich
Schmerzen im oberen Rücken
Schulterblattschmerzen
Schmerzen im unteren Rücken
Oberschenkelschmerzen
Knieschmerzen
Unterschenkelschmerzen
Fußgelenkschmerzen

Beschwerden in der Bauchgegend:
Blähbauch
Verdauungsbeschwerden (Verstopfung oder Durchfall)
Menstruationsbeschwerden
Fertilitätsbehandlung (Unfruchtbarkeit)
Menopausen-Symptome

Beschwerden in der Lunge oder Haut:
Asthma
Akne
Psoriasis
Allergien (saisonal)

Allgemeines Empfinden & Psyche:
Ängste & Stress
Müdigkeit
Schlaflosigkeit

Schröpfen vom Major Pectoralis Muskel ( Akupunkturpunkt Lu-1)

Das Schröpfen auch in der heutigen Zeit Beachtung geschenkt werden sollte, zeigt der Bericht von der Anästesie-ärztin Stephanie Chang aus New York. Ihre (Selbst)-behandlung bei den ersten Anzeichen einer Covid-19 Erkrankung beinhaltete das Schröpfen von dem Areal um den Akupunkturpunkt Lu-1.

Das Behandlungsprotokoll mit Akupunktur und dem gezielten Einsatz von Schröpfköpfen zeigt das praktische Kombinieren dieser beiden Techniken.

Quellen & Studien: Schröpfen

Stephanie I. Cheng: “Medical Acupuncture as a Treatment for Novel COVID-19-Related Respiratory Distress: Personal Experience from a Frontline Anesthesiologist”
Published Online:16 Feb 2021: https://doi.org/10.1089/acu.2020.1467

Claudia Focks (HG): Leitfaden Chinesische Medizin, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH; 6. Edition (2010)

Andere Blogbeiträge über das Schröpfen:

Schröpfen und Promis:

https://www.promiflash.de/news/2016/08/11/was-haben-jen-aniston-und-co-mit-schwimmer-phelps-gemeinsam.html

https://www.eonline.com/news/409206/5-celebrity-cupping-fans-jennifer-aniston-gwyneth-paltrow-and-more

Studien

Zwei Reviews (Aktualisierungsstudien) die einzelne Studienergebnisse sammeln und auswerten zeigen vor allem Fortschritte beim Studiendesign und der Ausführung. Hier geht es um Studie bei dernen Schröpfen zur Behandlung akuter u. chronischer Schmerzen evaluiert wurde.

Die Studie mit Edzard Ernst als Co-Autor (von 2011) kam zu dem Entschluss, dass trotz der positiven Ergebnisse, der wissenschaftliche Nachweis aufgrund des Studiendesigns und dem Verzerrungspotential (Bias) bei den Durchführungen sehr gering ist.

7 Einzelstudien wurden ausgewertet.
4 hatten ein hohes Risiko an Verzerrung der Ergebnisse.

Deswegen heißt es lapidar:

“Reliability of evidence is limited.”

Jong-In Kim, Myeong Soo Lee, Dong-Hyo Lee, Kate Boddy, Edzard Ernst, “Cupping for Treating Pain: A Systematic Review”, Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, vol. 2011, Article ID 467014, 7 pages, 2011. https://doi.org/10.1093/ecam/nep035

Die Studie mit Alan Bensoussan als Ko-author hatte einen größeren Umfang:

16 Studien (mit insgesamt 921 Teilnehmern)
6 Studien davon wurden unter der Kategorie „low-level bias of risk“ eingestuft.

Sixteen trials with 921 participants were eligible and included. Six trials were assessed as low risk of bias, another six trials were of unclear risk of bias, and the remaining four trials were of high risk of bias. Pain was related to three acute and seven chronic diseases.

Huijuan Cao and Xun Li and Xue Yan and Nissi S. Wang and Alan Bensoussan and Jianping Liu, “Cupping therapy for acute and chronic pain management: a systematic review of randomized clinical trials”,Journal of Traditional Chinese Medical Sciences,
Volume 1, Issue 1, 2014, pages 49-61. https://doi.org/10.1016/j.jtcms.2014.11.003

Die Studie kommt zu folgenden Ergebnissen:

  1. Positiver Effekt des Schröpfens gegenüber der Warteliste bzw. Wärme Therapie ist nachweisbar.
  2. Akupunktur und Schröpfen haben eine bessere Wirkung als nur Schröpfen

Ein Akupunkturprotokoll für die Behandlung direkt vor & nach dem Embryotransfer (Blog)

Hier ein Behandlungsprotokoll für eine Studie an deren Vorschlag Jane Lyttleton mitgearbeitet hat. Jane Lyttleton ist die Autorin des Buches “Fertilitätsstörungen behandeln mit chinesischer Medizin” aus dem Elsevier Verlag. Die englische Version gibt es in einer zweiten (verbesserten) Auflage.

Die Erstanamnese für die Akupunkturbehandlung und die erste Behandlung wird zwischen dem 6. und 8. Tag der Stimulanzperiode für den IVF Zyklus durchgeführt. Sie dauert zwischen 60 und 90 Minuten. Zusätzlich kommen noch 2 weitere Behandlungen: Eine direkt vor dem Embroytransfertermin und die andere gleich danach.

Vorbehandlung mit Erstanamnese

Folgende Punkte werden immer mit genadelt: Ma29, Ren4, Ren6, Mi6 und Mi10. Dazu kommen noch bis zu 5 weitere Punkte, die sich aus der TCM Diagnose ergeben. Alle Punkte (außer Ren und Du Mai Punkte und Yin Tang) werden bilateral genadelt.

Das Protokoll für die Behandlung am Tag des Embryotransfer

Bei den Punkten für die Behandlung vor dem ET (Embryotransfer) gibt es folgende Auswahl: Mi8, Mi10, Le3, Ren4 Dazu kommt einer von folgenden Punkten: He7, Pc6, Yin Tang, sowie weiterhin: Du20, Ni3, Ma36, Mi 6 und die Ohrakupunkturpunkte Shenmen und Zhigong

Die Nadeltechnik ist durch die Nutzung des ‘Park Sham’ Einführungsröhrchen vorgegeben: Nadeln werden vertikal zur Hautoberfläche bis zu 2 cm tief eingeführt. Für die Behandlung vor dem ET ist ein ‘de qi’ Gefühl erwünscht und wird manuell stimuliert.

Bei der Behandlung nach dem ET wird kein ‘de qi’ manuell provoziert. Leider geht aus der Beschreibung nicht hervor, welche Punkte für die Behandlung nach dem ET benutzt werden. Meine Vermutung ist, daß die gleichen Punkte wie in der Behandlung vor dem Transfer genommen werden, ohne das ‘de qi’ explizit zu stimulieren.

Vermutung ist, daß die gleichen Punkte wie in der Behandlung vor dem Transfer genommen werden, ohne das ‘de qi’ explizit zu stimulieren.

Die Nadeln bleiben für 25 Minuten in situ.

Die Kontrollgruppe (Placebo control)

Kurze Anmerkung: Stephen Birch hat in einer Veröffentlichung in dem Buch ‘Evidence-based Research Methods for Chinese Medicine‘ von 2016 noch einmal klar dargestellt, warum die sog. Sham Akupunktur eigentlich keine Placebo Kontrollfunktion in klinischen Studien darstellt.

Diese Studie umgeht das Problem mit der Einführung einer 3. Kontrollgruppe, welche gar keine Akupunktur erhält. Die 3. Kontrollgruppe hat aber keine randomisierte Zuweisung. Sie besteht aus Teilnehmerinnen, die die Behandlung mit Akupunktur nicht erüwnschen, aber an der Studie für die Datenerfassung teilnehmen.

Quellenangaben:

Title der Publikation:
Acupuncture to improve live birth rates for women undergoing in vitro fertilization: a protocol for a randomized controlled trial

Im Internet: Trials201213:60 DOI: 10.1186/1745-6215-13-60

Biomed Central: Direkter Link

 

Akupunktur bei Patienten mit Blutverdünnern-Antikoagulantien-Gerinnnungshemmern (Blog)

Es folge eine Übersetzung der Zusammenfassung (Abstract) der Studie:

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Einleitung:

Aus theoretischer Sicht kann Akupunktur bei Patienten, die Gerinnungshemmer einnehmen, das Risiko einer Blutung beim Rausziehen der Nadeln verstärken. Die Ergebnisse welche genaue Angaben zu diesem Risiko machen, wurden noch nicht systematisch untersucht.

Ziel der Studie:

Die Angaben zur Sicherheit von Akupunktur bei Patienten, die Blutverdünner nehmen, zu bewerten.

Untersuchungsmethode:

Online Reccherche von PubMed, EMBASE, der ‘Physiotherapy Evidence Database’, und Google Scholar.

Ergebnisse:

Von 39 potentiell relevante Literaturstellen haben 11 Veröffentlichungen die Untersuchungskriterien erfüllt: 2 sind randomisierte Versuchsreihen, 4 dokumentierte Patienten Serien und 5 Einzelfall-berichte. 7 Publikationen beinhalteten genügend Information, um Aussagen über die Sicherheit von Akupunktur bei 384 Patienten, die gleichzeitig Blutverdünner einnahmen, zusammenzuführen (bei 3974 Behandlungen insgesamt). Einen geringen-bis moderaten Blutungs-zwischenfall gab es (nur) in einem Fall: Ein großes Hämatom and der Hüfte. Dies wurde durch die Gabe von Vitamin K Reversierung und der Unterbrechung der Einnahme des Blutverdünners Warfarin behandelt.

Ein lokale Punkt-Blutung, welche typische für jede Nadelung sein kann und typsich für jede Injektion ist, wurde mit dem Aufdrücken eines Tupfers behandelt. Dies kam in 51 von 350 Behandlungen (14,6%) bei einer Behandlungsserie von 229 Patienten.

Blutungszwischenfälle waren weniger der (oberflächlichen) Akupunktur zuzuordnen, sondern eher das Ergebniss von sehr tiefen Nadeltechniken und der daraus resultierenden Gewebeverletzung oder einer komplexen Zusammensetzung der Medikation von verschiedenen Blutverdünnern. Diese Art von Zwischenfällen kamen bei 5 Patienten vor.

Keine Zwischenfälle gab es in 2 Studien (mit 74 Patienten). Das waren ein Fallbericht und ein randomisierter Versuch. Beide haben explizit Nachblutungen bei der Akupunktur überwacht. Insgesamt gab es somit nur einen moderaten Zwischenfall aufgrund einer Nachblutung bei 3974 Behandlungen (0.003%)

Schlussfolgerung:

Akupunktur erscheint als sichere Behandlungsmethode bei Patienten mit Blutverdünnern, wenn den Umständen entsprechend, die Nadeltechnik, die Körperstelle und Nadelungstiefe den Umständen angepasst ist. Die Zwischenfallrate von 0.003% ist niedriger als die bisher veröffentlichte Rate von 12,3%. Diese Ergebnisse stammt aus einen randomisierten Versuch von Akupunktur bei Patientnen nach Knie- oder Hüft-operationen (27,360 Patienten mit Blutverdünnern behandelt). Die Zwischenfallrate ist auch niedriger als die 6%, die aus einer größeren Studie von 229,230 Patienten (teilweis mit und ohne Blutverdünner behandelt). Weitere Versuchsreihen würden helfen, das niedriegere Ergebnisse zu evaluieren.
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Quellenangaben:

Titel der Studie:
Acupuncture safety in patients receiving anticoagulants: a systematic review

Internet: Perm J. 2015 Winter;19(1):68-73. doi: 10.7812/TPP/14-057 Epub 2014 Nov 24.

PubMed Datenbank: Direkter Link

Kniearthrose: Moxibustion vs. Diclofenac (Blog)

Folgendes Moxibustions Protokoll wird für Kniearthrose vorgeschlagen:

  • Standardakupunktur punkte: Ma 35, Ma 36 und EX-LE4
  • Entfernung des brennenden Moxa vom Punkt 1 cm
  • Moxabrenndauer ca. 30 min insgesamt
  • Alle 3 Punkte wurden individuell gleichzeitig gemoxt.

Insgesamt gibt es 3 Sitzungen pro Woche über 4 Wochen (12 Behandlungen).  Die Lagerung des Patienten erfolgt nach Wunsch. Der Patient liegt oder wird gemoxt.

Blog Kommentar:
Praktische Ausführung aufgrund der langen Behandlungsdauer muss mit Moxabox erfolgen (für Ma 35 und EX-LE4) und dann einer zweiten Moxabox bzw. einem Moxazigarrenhalter für Ma 36.

Quellenangaben:

Titel der Studie:
Moxibustion versus diclofenac sodium gel for the treatment of knee osteoarthritis: a study protocol for a double-blinded, double-placebo, randomised controlled trial

Internet:  BMJ Open. 2017 Apr 12;7(4):e012879. doi: 10.1136/bmjopen-2016-012879

Chinesische Medizin & konventionelle Medizin auf einem Flur im Krankenhaus (Blog)

In einem Feature des Deutschlandfunk Kultur über die Naturheilkunde fand ich folgende, ermutigende Beobachtung:

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Matthias Hanselmann (DLF Kultur Moderaror): Sie haben sich auch immer wieder vor Ort fortgebildet. China und Indien sind ja die klassischen Länder für bestimmmte Richtungen von Medizin.

Andreas Michalsen: Beide Länder sind sehr beeindruckend. In China hab ich gelernt: Die Chinesen sind was das Integrieren also was die Kombination von Naturheilkunde und Schulmedizin anbelangt weit, weit voraus.

Also das ist gang und gebe, dass in jedem grossen Krankenhaus auf der einen Seite im Flur die schulmedizinische Abteilung z.B. die Magen -, Darm-, Gastro-enterologie Abteilung ist, auf der anderen Seite ist dann die TCM, wo mit Akupunktur, mit Taiji oder mit Kräutern gearbeitet wird.

Die haben das bereits geschafft. Also Traditionelle Chinesische Medizin in enger Verbindung. Also das Beste von beiden kombinieren.
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Der Kardiologe u. Internist Andreas Michalsen, Chefarzt , Chefarzt der Abteilung “Naturheilkunde” am Berliner Immanuelkrankenhaus im Gespräch beim Deutschlandfunk Kultur vom 31.5.2017

Quelle:

Name des Beitrags: Blutegel, Aderlass & Co. – Die Heilkraft der Natur

Zeitstelle: ca. 16.12 Minuten nach Beginn der Sendung

Deutschlandfunk Kultur: Direkter Link

Kniearthrose und das Bi Syndrom in der Chinesischen Medizin (Blog)

Bi – Syndrom Behandlungsprotokoll für leichte bis mittlere Fälle von Kniearthrose (engl. Osteoarthritis)

Die beiden folgenden Protokolle sind für eine Studie, die die Wirkung der Akupunktur nach der TCM (Traditionellen Chinesischen Medizin) mit der Wirkung einer minimalen Akupunktur (MA) vergeleicht.

Behandlungsprotokoll der Verum Akupunktur – Kniearthrose

Das Behandlungspotokoll sieht eine 20-minütige Behandlung 3x die Woche über 8 Wochen vor (24 Sitzungen insgesamt). Die Akupunkturnadeln sind entweder 0.30×25 mm oder 0.30×40 mm.

Die Akupunkturpunkte werden nach der Bi Syndrom Theorie der Traditionelllen Chinesischen Medizin (TCM) ausgesucht. Zu dieser Kategorie gehören 10 lokale Punkte Ma34, Ma35, Ma36, EX-LE2, EX-LE5, Gb33, Gb34, Mi9, Mi10, Le8) und 11 distale Punkte Gb31, Gb36, Gb39, Gb41, Ma40, Ma41, Le3, Bl60, Mi6, Ni3, Di4).

Behandler wählen zwischen 5 bis 6 lokalen und 3 bis 4 distalen Punkten. Behandler sollen die sog. ‘De Qi’ Reaktion mit entsprechender Nadeltechnik produzieren. Weiterhin werden die Nadeln dann für mindestens 10 Sekunden manuell stimuliert.

Die Minimalakupunktur der Kontrollgruppe (Sham Akupunktur)

Nicht-Akupunkturpunkte werden nur oberflächlich genadelt (2 mm Stichtiefe). Es erfolgt keine manuelle Stimulation bzw. Manipulation zum Erlangen des ‘De Qi’.

Folgende Punkte wurden ausgewählt. Es gab keine Wahlmöglichkeiten:

MP1 – Auf der ulnaren Seite des Vorderarms, In der Mitte der Verbinundungslinie zwischen der Handgelenkszwischenfalte und dem Condylus medialis humeri
MP2 – 2 cun über dem lateralen Malleolus zwischen der Gallenblasen Leitbahn und der Magen Leitbahn auf der distalen Seite der Fibula
MP3 –  2 cun über dem medialen Malleolus, im Zentrum der Tibia (Nadelung ohne Kontakt mit dem Periost in die Richtung des Knies)
MP4 –  Auf halber Strecke der Linie die Ma36 und Gb34 verbindet
MP5 – 6 cun oberhalb der oberen Patellekante (zwischen der Milz und Magen Leitbahn)
MP6 – 5 cun oberhalb der oberen Patellekante (zwischen der Milz und Magen Leitbahn)
MP7 – 4 cun oberhalb der oberen Patellekante (zwischen der Milz und Magen Leitbahn)
MP8 – 1 cun unterhalb des Kopfes der Tibia, auf der medialen Seite des Beines
MP9 – Auf halber Strecke der Linie die Gb40 and Ma41 verbindet
MP10 – 3 cun über dem Calcanaeus auf der medialen Seite des

MP = “Minimaler Punkt” – eine Stelle, die nicht einem Akkupunkturpunkt in der TCM entrpricht.

Cun ist die relative Masseinheit für die Abmessug einer Strecke auf dem Körper des Patienten. 1 Cun entspricht nach einer gängen Definition der Breite des Daumens des Patienten.

Quellenangaben:

Titel der Studie:
Traditional Chinese acupuncture versus minimal acupuncture for mild-to-moderate knee osteoarthritis: a protocol for a randomised, controlled pilot trial

Internet: BMJ Open. 2016 Dec 13;6(12):e013830. doi: 10.1136/bmjopen-2016-013830

PubMed Datenbank: Direkter Link